WirtschaftsBlatt Kommentar vom 30. 8. 2007: Lieber freiwillig flexibel zahlen, als fix mehr - von Arne Johannsen

Der Druck der Politik steigt. Wer schlau ist, reagiert rechtzeitig

Wien (OTS) - Das Panorama ist malerisch - und gefährlich. Denn im idyllischen Alpbach vergisst mancher, dass es in dem engen Tal ein Echo gibt, das in den eigenen Ohren ziemlich dröhnen kann. Diese Erfahrung wird Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, heute machen.

Veit Sorger hat gestern bei den Alpbacher Wirtschaftsgesprächen viel gefordert, bevorzugt von anderen: Von Arbeitnehmern mehr Flexibilität, von der Regierung mehr Grosszügigkeit beim Hereinlassen ausländischer Arbeitskräfte. Das Echo wird heute kommen:
Finanzminister Wilhelm Molterer wird einen neuen Vorstoss zum Thema Mitarbeiterbeteiligung unternehmen und dabei auch die Industrie in die Pflicht nehmen. Recht hat.

Zwar stehen viele Chefs dem Thema positiv gegenüber, doch oft bleibt es bei verbalem Wohlwollen. Kein Wunder: Was bei Podiumsdiskussionen schnell abgenickt ist, bereitet in der Praxis einiges Kopfzerbrechen. Börsenotierte Firmen wie OMV und Telekom Austria tun sich leicht, sie bieten ihren Beschäftigten Aktien zu Vorzugskonditionen an. Doch das Heer der Klein- und Mittelbetriebe? Wer Lohnbestandteile oder Prämien an das Erreichen bestimmter Gewinn- oder Umsatzziele koppelt, muss den Mitarbeitern de facto Einblick in die Buchhaltung gewähren. Andernfalls können sie nicht beurteilen, ob gerecht ausgeschüttet wird.

Auch die Gewerkschaften sind nur vordergründig für einen Ausbau der Mitarbeiterbeteiligung. Derartige Vereinbarungen können nur auf Betriebsebene geschlossen werden, was die Tarif-macht der Gewerkschaften weiter schwächt. Schade, denn sonst könnten sie die Unternehmen zu ihrem Glück zwingen. Von denen ignorieren viele, dass auch der Arbeitsmarkt nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert. Die bequemere Variante ist, das Angebot an Arbeitskräften durch Ausländer zu vergrössern. Die unbequemere bedeutet, attraktivere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Und dazu ist eine Gewinnbeteiligung bestens geeignet, weil sie flexibler ist als starre Lohnerhöhungen.

Kommen wird der Druck sowieso, wenn nicht vom ÖGB, dann von der Politik. Während die Unternehmensgewinne steigen, stagnieren die Löhne. Für politisch Verantwortliche eine heikle Situation, bei deren Lösung die Wirtschaft nicht ungeschoren davon kommen wird. Der Sozialminister hat bereits kräftige Lohnsteigerungen gefordert. Die klare Luft von Alpbach sollte von der Wirtschaft genutzt werden, dem tragbare Konzepte entgegenzusetzen. Immer nur von anderen zu fordern, ist auf Dauer zu wenig.

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