vida: Bundesinnung der Friseure muss sich von Skandalbetrieb distanzieren

Vorgangsweise sofort unterbinden, bevor sie Schule macht

Wien (vida/ÖGB) - Schockiert ist die - für die Beschäftigten in Friseurbetrieben zuständige - Gewerkschaft vida über den gestern bekannt gewordenen "Verkauf" von Lehrstellen bei einem Villacher Friseur. Wer sich im Friseurstudio bewirbt, muss zuerst ein vierwöchiges "Intensivtraining" bei einer - dem Friseurstudio nahe stehenden Agentur - absolvieren und bezahlen. Erst danach bekommen die Jugendlichen die "Chance" auf einen Lehrplatz. "Derartige Methoden widersprechen eindeutig den Ausbildungsvorschriften. Wir fordern die Bundesinnung der FriseurInnen auf, sich eindeutig von dem Skandalbetrieb zu distanzieren", sagt vida-Vorsitzender Rudolf Kaske. Kerstin Cap, Vorsitzende der vida-Jugend, fügt hinzu: "Die Bundesinnung muss diese Vorgangsweise sofort unterbinden, bevor sie Schule macht."++++

Gleich 500 Euro kassiert das Friseurstudio "Elite" in Villach für das vierwöchige "Intensivtraining". Dazu kommen noch 100 Euro Materialkosten. Die Friseuragentur "Style and More", die diese "Intensivtrainings" veranstaltet, steht offensichtlich in einem Naheverhältnis zu "Elite". Die TrainerInnen sind niemand anderer als die Angestellten der rund 24 Elite-Filialen in Kärnten und Salzburg. Nach dem einmonatigen Training gibt es für die Jugendlichen nur dann einen Lehrplatz, wenn sie einen positiven Abschluss der Prüfungen, die einmal wöchentlich stattfinden, erzielt haben. "Von Seiten des Betriebes gibt es Aussagen, dass die Lehrlinge das Training absolvieren müssen, damit sie - bei Beginn der Lehre - mindestens dieselbe Qualifikation besitzen wie Friseurlehrlinge nach dem ersten Lehrjahr. Die Jugendlichen werden in doppelter Weise ausgebeutet: Sie müssen Geld bezahlen und werden ab dem ersten Tag der Lehrlingsausbildung für Tätigkeiten eingesetzt, deren Erlernen eigentlich Zweck ihrer Ausbildung wäre", sagt vida-Vorsitzender Kaske.

Dazu kommt, dass sich die Probezeit durch das "vorne angehängte" einmonatige Intensivtraining faktisch von drei auf vier Monate verlängert. "Und in der Probezeit kann der Betrieb das Lehrverhältnis ohne Grund auflösen", ergänzt Cap. Ein Friseurlehrling bekommt derzeit 306 Euro brutto Lehrlingsentschädigung (270 Euro netto). Der Lehrling muss also fast drei Monate arbeiten, um die Schulden auf seinem Konto für das "Intensivtraining" zu begleichen. "Das kommt einem Rückfall in graue Vorzeiten gleich, als die Lehrlinge dem Ausbildner Lehrgeld bezahlen mussten", so Cap.

Die Gewerkschaft vida fordert die Bundesinnung der Friseure auf, bei ihren Mitgliedsbetrieben energisch gegen derartige "Ausbildungsmethoden" auf Kosten der Jugend einzuschreiten. " Wir unterstützen Betriebe, die den Lehrlingen während ihrer Lehrzeit Fortbildungskurse und Seminare zur Unterstützung der dualen Ausbildung anbieten, so lange diese kostenlos unter Weiterbezahlung und in der Arbeitszeit stattfinden. Lehrlingscastings auf Kosten der Jugendlichen lehnen wir aber absolut ab", sagt Cap. Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen und ihren Eltern, rät die vida-Jugendabteilung, sich vorher genau über die angeschriebenen Betriebe zu erkundigen. "Am besten macht man das über ehemalige MitarbeiterInnen, die Arbeiterkammer oder die Gewerkschaft", sagt Cap.

ÖGB, 29. August 2007 Nr. 497

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