Armutskonferenz warnt: Ausgaben fressen Einkommen

Sozialleistungen der Teuerung anpassen, wieder in den sozialen Wohnbau investieren, Steuergutschriften für "working poor".

Wien (OTS) - "Sage niemand, man kann da nichts machen.", weist die Armutskonferenz auf die Belastung ärmerer Haushalte durch die starke Teuerung notwendigster Ausgaben hin.

Die Sozialleistungen werden seit Jahren nicht mehr der Teuerung angepasst.

"Sollten sie aber.", analysiert Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk. "Der durchschnittliche Lohnersatz bei Arbeitslosengeld und Notstandshilfe ist real um 3,6% gesunken. Die durchschnittliche Höhe der Notstandshilfe ist um 4,3% gesunken, die des Arbeitslosengeldes um 2,9%. Ähnlich bei der Sozialhilfe oder dem Kindergeld.", so Schenk von der Armutskonferenz.
"Auch der soziale Wohnbau braucht wieder einen Anschub. Mieten müssen für geringe Einkommen wieder leistbar werden. Da wurde in den letzten Jahren nicht ausreichend investiert.
Und bei working poor und Haushalten mit prekären Jobs gebe es die Möglichkeit mit Steuergutschriften zu helfen - mit einem working tax credit.

"Am Ende des Geldes ist zu viel Monat übrig. Die Ausgaben fressen die Einkommen auf.", so Sozialexperte Schenk. "Die Kosten für Wohnen, Energie und Ernährung sind enorm gestiegen: über 10 % und mehr. Gerade jene Ausgaben, die zu den Notwendigsten in Haushalten mit geringem Einkommen gehören. Die Mieten sind massiv gestiegen. Mit einem kleinen Einkommen frisst das Wohnen oft schon zwei Drittel des verfügbaren Monatsbudgets.
Energiepreise steigen. Und Lebensmittelpreise steigen.

In Armutshaushalten werden besonders bei länger andauernden Einkommenseinbußen anteilige Ausgaben für Bildung und Kultur zugunsten der Ausgaben für Ernährung und Wohnung verringert. Es gibt keine Rücklagen auf die man im Notfall zurückgreifen kann, das Monatseinkommen ist für das existentiell notwendigste aufgebraucht. Da bleibt dann nichts mehr übrig für die sogenanntem Zukunftsausgaben wie Bildung. Übrig bleibt aber auch nichts für unerwartete Kosten wie kaputter Boiler, Waschmaschine etc. Und der Schulanfang mit Heften, Stiften und Zirkeln wird - wenn man mehrere Kinder hat - ein finanzielles Problem.

Dazu kommt die hohe Belastung unterer Einkommen durch indirekte Steuern und Abgaben, die schnell an die Grenzen des verfügbaren Haushaltsbudgets führen. Das unterste Einkommensdrittel wird durch Massensteuern doppelt so stark belastet wie das oberste. (Wifo-Verteilungsstudie).

"Die Haushaltseinkommen insgesamt sind nämlich interessanterweise in den letzen Jahren nicht dramatisch gesunken. Trotz prekärer Jobs und hoher Arbeitslosigkeit. Vielmehr sind aber die existentiellen Kosten gestiegen.
Wenn es bei Niedrigstverdienern Reallohnverluste gibt, viele am Arbeitsmarkt nicht unterkommen, Abgaben steigen und alles teurer wird - dann kann sich das bei 500 oder 600 Euro Monatseinkommen einfach nicht ausgehen.", so die Armutskonferenz abschließend.

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