Industrie für Umsetzung des Flexicurity-Modells in Österreich

IV-Präsident Sorger und IV-GS Beyrer bei Alpbacher Wirtschaftsgesprächen: Wachstum weiter forcieren, Strukturreformen fortführen, Fachkräftemangel rasch lösen

Wien (OTS) - (PdI) Die Industriellenvereinigung (IV), der Hauptorganisationspartner der Alpbacher Wirtschaftsgespräche 2007, spricht sich für die Adaption und Umsetzung des Flexicurity-Modells für Österreich aus: "Wir halten dieses Modell für die richtige Antwort auf die Herausforderung der Globalisierung für Arbeitnehmer:
Größtmögliche Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt im Interesse der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, gepaart mit größtmöglicher produktiver Unterstützung von Arbeitnehmern, die Opfer dieser Flexibilität geworden sind, damit sie eine neue adäquate Beschäftigung zu finden. Das ist ein Konzept, das ein Höchstmaß an Beschäftigung ermöglicht. Das beweisen die skandinavischen Länder, insbesondere aber Dänemark, das dieses Modell am umfassendsten lebt", betonten der Präsident und der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Dr. Veit Sorger und Mag. Markus Beyrer, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Dieses System sei nicht kostenlos. Zusätzliche Kosten entstehen durch gegebenenfalls höhere Arbeitslosenunterstützungen und eine aufwändigere aktive Arbeitmarktpolitik, ihnen stehen aber Einsparungen durch höhere Beschäftigung gegenüber, so die IV-Spitzenvertreter. Veit Sorger beschrieb die Kernvoraussetzungen für die positive Beschäftigungsentwicklung in Österreich und Europa:

1. Kräftiges Wirtschaftswachstum ist die unabdingbare Voraussetzung für Beschäftigungswachstum
2. Je mutiger Strukturreformen am Standort durchgeführt werden, desto stärker kann Wachstum unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs freigelegt werden.
3. Österreich muss auch in Zukunft angesichts der beschriebenen fortgesetzten Herausforderungen der Globalisierung die Chance von flexibler Anpassung und Wachstum nutzen. Umso mehr, als die Anpassungslasten zu Zeiten guter Konjunktur wesentlich leichter zu tragen sind.

Der IV-Präsident appellierte, den Weg der Strukturreformen in Österreich nicht zu verlassen."Ich habe mit gewisser Besorgnis in den vergangenen Wochen fest gestellt, dass die günstigere Wirtschaftslage anscheinend leichtsinnig macht und politische Zielsetzungen zunehmend über ökonomische Notwendigkeiten gestellt werden", sagte Sorger, der insbesondere bemängelte, dass erfolgreich abgeschlossene Reformen des Sozialsystems wieder in Frage gestellt und neue Sozialleistungen "lustvoll diskutiert werden". Zudem verheddert sich die dringend notwendige Schulreform im ideologischen Grabenkampf und statt die hohen Arbeitszusatzkosten zu senken, werde eine, wenn auch vorerst geringfügige Erhöhung von Krankenkassenbeiträgen beschlossen. In der Klimapolitik wetteiferten Politiker nahezu ohne Bedachtnahme auf den Wirtschaftsstandort mit überambitionierten Zielen und treffen auf gleich gesinnte Kolleginnen und Kollegen auf europäischer Ebene. "Ehrgeiz ist gut, Ehrgeiz ohne Realitätssinn gefährlich", so der IV-Präsident.

Auch sei es angesichts der Steuereinnahmen "fast degoutant" über neue Einnahmequellen nach zudenken. Dies gelte auch für Überlegungen, eine SV-Abgabepflicht für Erträge aus Mieten einzuführen. Als Lackmus-Test für die Bundesregierung bezeichnete Sorger, ob diese eine wirkliche Verwaltungsreform auf die Schiene setzt, oder nicht -gegen den Widerstand von Teilen der eigenen Parteien in den Ländern und den Strukturreaktionären. "Diese Phalanx der Verhinderer und Strukturreaktionäre muss endlich durchbrochen werden!"

Beyrer: Weitere Strukturverbesserungen und Finanzierungssicherheit

IV-Generalsekretär Beyrer wies besonders auf Einzelaspekte des österreichischen Arbeitsmarktes hin: Während die Frauenerwerbsquote Österreich über den EU-Durchschnitt geklettert sei, gebe es im europäischen Vergleich massive Schwächen bei der Beschäftigung von Menschen älter als 55 Jahre. Angesichts einer Beschäftigungsquote von 31,8 Prozent im Bereich der 55 bis 65jährigen (OECD 51,8%; Dänemark 59,8%) sei auch klar, dass die Industrie massiv gegen einen Verwässerung der letzten Pensionsreform auftrete.

Besonders und wiederholt betonte Beyrer die Notwendigkeit, den Fachkräftemangel schnell zu lösen, da andernfalls Wachstum und Beschäftigung verloren gingen. Trotz der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt und trotz zunehmenden Facharbeitermangels bleiben die Grenzen für qualifizierte Arbeitskräfte immer noch weitgehend geschlossen: "Der Mangel an bestimmten Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt könnte sich zu einem Treiber für Produktionsverlagerungen aus Österreich entwickeln, denn heute hat nahezu jedes Unternehmen eine Exit-Option. Jeder benötigte, aber nicht besetzte Arbeitsplatz bedeutet einen Wohlstandsverlust für das Land und weniger Wertschöpfung und Gewinn für ein Unternehmen."

Dadurch steige der Anreiz, in Regionen mit ausreichendem Arbeitskräfteangebot zu produzieren. Und wenn in einigen Jahren Österreich seine Grenzen für Bürger aus den neuen Mitgliedstaaten ohnehin öffnen muss, werden die jungen, dynamischen und qualifizierten Migranten aus Mittel- und Osteuropa längst anderswo einen Arbeitsplatz gefunden haben. Die IV fordere daher:

  • Die sektorelle Öffnung des Arbeitsmarktes wo gebraucht sofort, spätestens aber 2009!
  • Den unbürokratischeren Zugang zu den 800 genehmigten Schweißern, Drehern, Fräsern und eine weitere Einbeziehung weiterer Fachkräftekategorien!
  • Asylwerber sollten in Mangelberufen arbeiten dürfen!

Die IV vermerke positiv, dass ÖGB-Präsident Hundstorfer in diesen Fragen Gesprächsbereitschaft hat erkennen lassen.

Der IV-Generalsekretär machte zudem klar, dass es ohne weitere massive Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen nicht gehe. Die Industrieunternehmen leisten dazu ihren Beitrag. Das steirische Beispiel des von der Industrie entwickelten Ausbildungsweges des Industrietechnikers mache beispielsweise österreichweit Schule.

Darüber hinaus müsse mehr Werbung und Aufmerksamkeit für die Berufe und Qualifikationen der Zukunft gemacht werden. In wenigen Monaten werde ein Konzept der bereits arbeitenden IV-Fokusgruppe "Nachwuchssicherung in Naturwissenschaft und Technik" präsentiert werden, "das detaillierte und umfassende mittelfristige Ausbildungsempfehlungen geben wird!", schloss Beyrer.

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