UNO mit Atomkraft auf Irrweg

Greenpeace-Studie: AKWs können keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Wien (OTS) - Mit Verwunderung reagiert Greenpeace auf den
Vorschlag der UNO, den Klimawandel mit Atomenergie bekämpfen zu wollen. "Will man mit Atomenergie tatsächlich einen relevanten Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen liefern, müsste man tausende neue Atomkraftwerke bauen", so Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof. "Das ist aber schon allein aufgrund der hohen Kosten und langen Bauzeiten von Atomkraftwerken vollkommen unrealistisch." Die Atomkraft hat nur einen äußerst geringen Anteil an der weltweiten Energieversorgung. Abgesehen davon ist die Atommüll-Frage nach wie vor ungeklärt und Atomreaktoren bleiben potenzielle Anschlagsziele bei terroristischen beziehungsweise kriegerischen Auseinandersetzungen.

- Die Elektrizitätsversorgung macht global gesehen nur etwa ein Drittel der CO2-Emissionen aus, und nur äußerst bescheidene sechzehn Prozent des gesamten Strombedarfs werden in Atomkraftwerken erzeugt. Noch dazu ist die Anzahl an Atomkraftwerken rückläufig: Derzeit sind weltweit 440 Atomreaktoren in Betrieb, nach einem Höchststand von 444 im Jahr 2002. Wollte man den Klimawandel also tatsächlich mit Hilfe der Atomenergie stoppen, wären tausende von neuen Kraftwerken zu errichten.

- Atomkraftwerke sind sehr teuer und haben schon allein deshalb inmitten eines liberalisierten Strommarktes kaum eine Chance. Überdies werden die geplanten Baukosten im Schnitt um dreihundert Prozent überschritten. Viele Banken sind deshalb nicht mehr bereit, Atomkraftwerke zu finanzieren. Und nicht wenige Versicherungen wollen das Unfallrisiko nicht mehr übernehmen. So bleibt üblicherweise also nur die staatliche Finanzierung übrig. Und das im finnischen Olkiluoto gerade in Bau befindliche Kraftwerk wurde von Frankreich deutlich verbilligt angeboten, um die marode französische Atomindustrie am Leben zu erhalten.

- Die Bauzeit eines Atomkraftwerkes beträgt im Schnitt rund zehn Jahre, und dazu kommt noch die lange Planungszeit. Somit würde auch eine starke Offensive im Atomkraftwerksbau auf alle Fälle viel zu spät klimatische Auswirkungen haben. Hauptursache für die sehr langen Bauzeiten sind die hohen technischen Anforderungen, die zur Erfüllung der aktuellen Sicherheitsstandards einzuhalten sind. Das finnische Kraftwerk Olkiluoto etwa hat nach sechzehn Monaten Bauzeit bereits eine prognostizierte Verzögerung von anderthalb Jahren, und die chronische Pannen-Serie in Temelin zeigt, wie schwierig der Betrieb von Atomreaktoren ist.

"Seit den Neunziger Jahren sucht die Atomindustrie mit zunehmender Verzweiflung nach Bauaufträgen, und nun hofft man, im Klimawandel endlich ein neues Argument für die Nutzung der Atomkraft gefunden zu haben", so Westerhof. "Die tatsächlichen Gründe für den Klimawandel liegen aber nicht einmal in der Stromversorgung, sondern im Verkehrssektor und in der Abholzung der Urwälder. Will man also wirklich etwas gegen den Klimawandel unternehmen, dann muss hier angesetzt werden. Atomkraft ist nur eine Scheinlösung, und hier noch dazu für das falsche Problem", schließt Westerhof.

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Die Greenpeace-Studie zu Atomkraft und Klimaschutz zum Download:
http://www.greenpeace.org/international/press/reports/briefing-nuclear-not-answer-apr07

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