WirtschaftsBlatt Kommentar vom 29. 8. 2007: Was Grasser von Androsch lernen kann - von Peter Muzik

Ein tolles Image ist in der Wirtschaft zu wenig

Wien (OTS) - emand, der für die Politik gut genug ist, muss bekanntlich noch lange nicht für die Wirtschaft taugen. Diese schmerzliche Erkenntnis haben schon viele einstmals recht populäre Politiker machen müssen, die in neuer Rolle als Manager sang- und klanglos in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

Das aktuellste Drama braut sich derzeit rund um Karl-Heinz Grasser zusammen: Der einstmals grossartige Minister-Darsteller hat - nachdem ihn Julius Meinl V. als personifizierte Attraktion eines letztlich misslungenen Börsegangs aufbot -, sein recht gutes Image komplett ramponiert. Der frühere Sunnyboy, der sich nach dem Ausstieg aus der Regierung in seinen kühnsten Träumen schon einen Topjob in der internationalen Finanzszene ausgemalt haben dürfte, muss plötzlich mit dem Hautgout als Looser zurechtkommen und scheint im Übrigen in der Öffentlichkeit seit Wochen nicht mehr auf.

Ein anderer Ex-Finanzminister, der sich in den Siebzigerjahren als "Leider Nein-Millionär" (auf Schilling-Basis) profiliert hatte, ist hingegen längst als Evergreen im österreichischen Wirtschaftsleben unterwegs: Der ehedem eingefleischte Sozialdemokrat Hannes Androsch mutierte, nachdem er über diverse Polit-Skandale aus der Regierung in die Chefetage der damaligen Creditanstalt gestürzt war, relativ zügig zu einem veritablen Industriellen. Er schart mittlerweile etliche Beteiligungen um sich, darunter die Salinen, den Flugzeugzulieferer FACC, die steirische AT&S oder den nicht unumstrittenen Wettanbieter Bwin, gilt als vermögend und tritt als weitsichtiger Stratege und Elder Statesman noch immer überall dort in Aktion, wo es ein Unternehmen günstig zu kaufen gibt.

Der fast 70-jährige Androsch hüpft somit dem bald 39-jährigen Grasser vor, wie's gehen könnte. Er hat sich nie wie Letzterer vor irgendeinen Karren spannen lassen, sondern auf sich selbst verlassen, eigenes Kapital riskiert und einfach die sich bietenden Chancen eiskalt wahrgenommen. Auch wenn er die eine oder andere wirtschaftliche Schramme abbekommen hat - zurzeit bereiten ihm seine Betriebe nicht unbedingt die reinste Freude -, kann er durchaus wirtschaftlichen Erfolg vorweisen.

Das Kürzel KHG hingegen steht - auch wenn der Meinl-Vertraute persönlich für den Aktienkurs wenig kann - vorerst für Misserfolg. Grasser muss zur Kenntnis nehmen, dass es weitaus einfacher war, in der Himmelpfortgasse Everybodys Darling zu mimen, als sich als gestandener Unternehmer zu behaupten. Er wird jedenfalls noch viel lernen müssen.

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