Neuer Glanz für den Wollner-Hof

Wien (OTS) - Der Wollner-Hof - er wurde in der Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts erbaut - ist eines der ältesten Häuser am Brunnenmarkt. Mit Beginn des 2. Weltkriegs brachen für das Gebäude wechselvolle Zeiten an, die bis ins jetzige Jahrhundert andauerten. Denn in den 1980er Jahren wurde der Wollner-Hof zum Spekulationsobjekt, das trotz engagierter Rettungsbemühungen seitens der Stadt und des Bezirks nach und nach verwahrloste. Zahlreiche Versuche, eine Lösung herbeizuführen, scheiterten. Ende 2005 gelang es der GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H., das Gebäude zu erwerben. Nun steht einem Happy End und der Revitalisierung des geschichtsträchtigen Gebäudes im Herzen Ottakrings nichts mehr im Wege. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Franz Prokop und GEWOG-Geschäftsführer Karl Wurm gaben heute, Montag, den Startschuss für die umfassende Sanierung des Wollner-Hofs. Bereits 2009 wird das ehemalige Problemhaus Ottakrings in neuem Glanz erstrahlen.

Der Wollner-Hof ist stummer Zeuge einer bewegten, oftmals tragischen Geschichte. Im Jahr 1920 von der jüdischen Kaufmannsfamilie Wollner erworben, wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus im Zuge der Arisierung enteignet. Seine Eigentümer - Siegfried Wollner und dessen Frau Irma wurden in das Ghetto von Modliborzyce (Polen) deportiert. Irma Wollner wurde von den Nazis ermordet, über das weitere Schicksal ihres Mann ist nichts bekannt. Nach dem Krieg ging das Gebäude im Rahmen eines Restitutionsverfahrens an den Sohn von Siegfried Wollner - den nach England emigrierten Dr. Gerhard Wollner, der die Liegenschaft Anfang der 70-Jahre verkaufte. Die "Spekulationsära" des Wollner-Hofs begann in den 80er Jahren. Nach einem Eigentümerwechsel verfiel und verwahrloste das Gebäude, das ursprünglich aus drei Gebäudeteilen bestand, zunehmend. Einsätze des Gesundheitsamtes wegen sanitärem Übelstand waren an der Tagesordnung. Zudem war die Liegenschaft stark überschuldet und Gegenstand diverser Erbschaftsstreitereien, sodass Versuche zu einer Lösung der massiven Probleme mehrmals scheiterten.

Die "at home Immobilien GmbH - Wohnprojekte + Ideen", ein Tochterunternehmen der gemeinnützigen Wohnbaugruppe GEWOG und NEUE HEIMAT, startete im Jahr 2004 neuerlich Verhandlungen zum Erwerb der Liegenschaft. Ende 2005 gelang es ihr nach langwierigen Ankaufsgesprächen das Gebäude für die GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H. zu erwerben, wobei die "at home" weiter die Projektentwicklung übernahm. Unter enger Einbindung der Bezirksvorstehung und den befassten Magistratsdienststellen wurde ein Revitalisierungskonzept für den Wollner-Hof ausgearbeitet.
Die Sanierung umfasst u.a. die Instandsetzung und Wärmedämmung der Fassaden, die Unterfangung der Fundamente, die Erneuerung der Steig-und Verteilungsleitungen für Gas, Strom und Wasser, den Einbau von Wärmeschutzfenstern und die Verbesserung der Wohnungen. Außerdem werden durch einen Dachgeschossausbau 12 neue Wohnungen geschaffen. Die Gesamtsanierungskosten betragen rund 2,6 Mio. Euro, die Stadt fördert die Revitalisierung mit rund 2 Mio. Euro. Rund 1,5 Mio. Euro kostet der Dachgeschossausbau, die Stadt Wien schießt dafür insgesamt rund 1 Mio. Euro zu.

Erfolgreiche Sanierungsoffensive im Bereich des Westgürtels

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: "Die Entwicklung des Brunnenmarkt-Viertels zu einem attraktiven und begehrten Wohngrätzel zeigt, wie effizient die Fördermittel der Stadt auch im Bereich von Sanierungen eingesetzt werden. Mit der Revitalisierung bestehender Bausubstanz erreichen wir nicht nur eine generelle Aufwertung des Wohnumfelds, sondern wir schaffen damit auch die Rahmenbedingungen für ein ausgewogenes gesellschaftliches Zusammenleben. Zurzeit sind im Bereich des Westgürtels 426 Sanierungsprojekte in Vorbereitung oder bereits in Bau. Die Stadt investiert in diese Vorhaben rund 311 Mio. Euro. Der Wollner-Hof war für uns viele Jahre lang ein großes Sorgenkind. Umso mehr freut es mich, dass es nun - in vereinten Anstrengungen mit der Bezirksvorstehung und der GEWOG - gelungen ist, dem wechselvollen Schicksal des Gebäudes ein Ende zu setzen. Der nach langen und hartnäckigen Bemühungen erreichte ,Neustart’ wird den Wollner-Hof wieder zu dem machen, was er einst war: ein Schmuckstück am Brunnenmarkt."

"Was lange währt, wird endlich gut. Beim Wollner-Hof, der zu einem Schandfleck verfallen ist, war es ein sehr zäher und langwieriger Kampf um die Rettung eines Gebäudes, in dem Ottakringer Geschichte geschrieben wurde. Wir haben nie aufgegeben und die Freude bei uns im Bezirk darüber, dass unser großes Anliegen endlich in Erfüllung geht, ist schlichtweg riesengroß. Der ,neue’ Wollner-Hof wird kaufkräftige neue Bewohner ins Grätzel bringen und dadurch wird nicht nur für eine weitere Belebung der lokalen Wirtschaft, sondern auch für eine noch bessere soziale Durchmischung gesorgt werden. Ein weiterer, wichtiger Mosaikstein für ein noch lebenswerteres Brunnenmarkt-Grätzel", betont Bezirksvorsteher Franz Prokop.

GEWOG-Geschäftsführer Karl Wurm: "Die Spekulationsära des Wollner-Hofs ist endgültig vorbei. Wir freuen uns, dass wir einen wichtigen Beitrag zur Rettung des Gebäudes leisten konnten. Nach einer eingehenden Projektentwicklung starten wir mit der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes. Dabei wird der Wollner-Hof in seiner markanten Struktur erhalten bleiben, jedoch künftig attraktive, hochqualitative Wohnungen bieten. Durch einen Dachgeschossausbau wird neuer Wohnraum geschaffen. Somit erhält der Brunnenmarkt durch den Einsatz von Wohnbauförderungsmitteln einen zusätzlichen Impuls in Richtung moderner Wohnqualität und Leistbarkeit."

So wird der "neue" Wollner-Hof aussehen

Das Ergebnis der umfangreichen Projektentwicklung ist die Erhaltung des markanten Gebäudes, verbunden mit einer durchgreifenden Sanierung, Aufstockung und einem Dachgeschoßausbau. Durch eine neue innere Erschließung des Gebäudes werden die besonders kleinen Bestandswohnungen gekoppelt und sowohl hof- als auch straßenseitig belichtet. Die neu geschaffenen, zum Hof durchgesteckten Wohnungen in den Aufstockungs- und Dachgeschoßflächen erhalten hofseitige Terrassen, die strassenseitigen Eckwohnungen im Dachgeschoß sind mit Terrassen in Form von Eckgaupen ausgestattet.
Im Erdgeschoß wird der derzeit offene Innenhof weitgehend überdacht. Frei bleibt hier ein Atrium mit einem Baum und ein offener, teilweise mit Glas überdeckter Durchgang, der im Erdgeschoß die beiden seitlichen Stiegenhäuser miteinander verbindet und die Allgemeinräume erschließt. Die neu geschaffenen Erdgeschoßräumlichkeiten beinhalten neben dem Müllraum auch einen Kinderwagen- und Fahrradabstellraum sowie neue Lager- und Geschäftsflächen für die straßenseitigen Lokale.

Daten: vor Sanierung nach Sanierung Nutzfläche 1.693 m2 3.100 m2 Wohnungsanzahl 31 30 Durchschnittliche Wohnungsgröße 42,60 m2 84 m2 Anzahl Geschäftslokale 5 4

Die meisten Wohnungen standen aufgrund ihres katastrophalen Zustands frei. Die dringend notwendigen massiven Eingriffe in das Gebäude machten eine Absiedlung der letzten BewohnerInnen notwendig, die zu deren voller Zufriedenheit ablief. Sie erhielten entweder Ersatzwohnungen oder eine entsprechende Ablöse.

Im Frühjahr 2009 ist mit Fertigstellung der Umbauarbeiten zu rechnen. Informationen über die Mietpreise bzw. die Möglichkeit, sich für eine der Wohnungen anzumelden, gibt es ab Anfang 2008.

Nähere Informationen:

o Susanne Reppé GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H. Tel.: 401 09-52 E-Mail: susanne.reppe@nh-gewog.at Internet: www.gewog-wohnen.at/

o Wohnservice Wien Tel.: 245 03-100 Internet: www.wohnservice-wien.at/

(Schluss) dax

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