"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auf die Sandwich-Generation kommen gewaltige Lasten zu" (von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 27.08.2007

Graz (OTS) - Die gute Wirtschaftslage, die breite Regierungsmehrheit, der beschauliche Sommer: Das wären doch gute Anlässe für Politiker, um einmal über den Tag hinauszudenken und kühne Entwürfe für unsere Zukunft zu präsentieren. So möchte man meinen. Doch die in diversen Sommergesprächen vorgeführte Praxis beweist das Gegenteil. Man verharrt in eingeübten Posen und ist nicht bereit, den Blick über den Tellerrand zu heben.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel bietet die Alterssicherung. Schon seit Wochen wird mit Verve darüber gestritten, ob die Pensionen nun um 1,7 oder um 2,1 Prozent erhöht werden sollen. Für die direkt Betroffenen ist das ohne Zweifel wichtig. Aber es gäbe auch andere, grundlegende Fragen, die die Sicherung des Systems für kommende Generationen betreffen. Mehrere Versuche von Fachleuten, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen, sind ungehört verhallt. Zuletzt wies ein Versicherungsmathematiker auf die stark steigende Lebenserwartung hin und forderte Adaptierungen - natürlich vergebens.

Dabei hat die letzte Pensionsreform zwar spürbare Erleichterung gebracht, die seither demonstrierte Selbstzufriedenheit ist aber trügerisch. Die Fragen der Jugend bleiben unbeantwortet, undiskutiert: Wieso steigt das Antrittsalter nicht automatisch mit der Lebenserwartung? Wieso genießt man "Vertrauensschutz", wenn man in Frühpension geht? Wieso gibt es prozentuelle Pensionserhöhungen statt Sockelbeträge? Ist es gerecht, dass starke Unterschiede im Leistungsbezug auch dann noch verfestigt werden, wenn das aktive Berufsleben schon 30 Jahre zurückliegt?

Das sind hässliche und gefährliche Fragen, für Politiker zumal. Aber irgendwann stellen sie sich. Wird man die richtige Antwort geben, wenn dann die Pensionisten die Mehrheit der Bevölkerung sind?

Österreich gibt mehr als 14 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Pensionsleistungen aus - ein Spitzenwert. Und das, obwohl die wirklichen Probleme erst kommen: Die Baby-Boomer-Generation steht derzeit voll im Arbeitsleben und zahlt Rekordbeträge ins System ein. Aber diese vielen Menschen werden in einigen Jahren schlagartig von der Seite der Einzahler auf jene der Pensionsempfänger wechseln.

Sind wir darauf vorbereitet? Das mag glauben, wer will. Der Pensionsexperte Bert Rürup warnt jedenfalls vor einer "Sandwich-Generation", die vom Generationenvertrag überfordert werden könnte. Schade, dass das in diesem Land und in diesem Sommer niemanden interessiert. ****

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