WirtschaftsBlatt Kommentar: 21.8.2007: Politik ohne Stil darf keine Chance haben - von Peter Muzik

Manche Politiker ballern mit Worten durch die Gegend

Wien (OTS) - Ein gewisser Harald Vilimsky, der sein Dasein normalerweise in der politischen Bedeutungslosigkeit fristet, möchte plötzlich gross auftrumpfen: Der unauffällige FPÖ-Generalsekretär, der auch Abgeordneter im Hohen Haus ist, startete gestern die etwas eigenartige Initiative Weg mit den ORF-Gebühren her mit einer fairen Medienzukunft. Er möchte mit einer Online-Petition gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit protestieren, dass ORF-Kunden rund 240 an Zwangsgebühren zu berappen haben. Auf www.weg-mit-den-orf-gebuehren.at bringt er seinen Frust so auf den Punkt: Die Gebühren werden immer höher, das Programm dafür immer schlechter und die Anzahl der Seher immer geringer. Es reicht! Vilimsky wurmt es besonders, dass der Österreichische Rundfunk, der die Strache-Partei in der Tat nicht mit besonderer Herzlichkeit zu behandeln pflegt, zum Regierungsfunk verkommen sei, der die Meinung anderer völlig untergehen lasse, etwa jener, die Originalzitat im Tier- oder Umweltschutzbereich tätig sind. Er schäumt geradezu, dass die HörerInnen und SeherInnen selbst dann zur Kasse gebeten werden, wenn diese gar keine ORF-Programme konsumieren. Die Programmqualität sei jedenfalls, was Mitten im Achten eindrucksvoll bewiesen hat, auf dem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Trotzdem beabsichtigte die Anstalt am Küniglberg, die Tarife ab 2008 abermals kräftig zu erhöhen. Vilimsky:Eine Unverfrorenheit der Sonderklasse!
Man muss indes gar kein besonderer ORF-Fan sein, um dieser Überdosis an populistischer Politik Marke Vilimsky rasch überdrüssig zu werden. Und obwohl beileibe nicht alles so falsch ist, was der FPÖ-Generalsekretär in seiner ungestümen Art absondert, ist die Holzhammer-Methode, auf den Staatsfunk wie ein Wilder hinzudreschen, recht degoutant. Genau deshalb sollten sich nicht nur Strache, Vilimsky & Co. von der FPÖ, sondern natürlich auch die flott-aggressiven Formulierer anderer Parteien, die gerne mit Worten durch die Gegend ballern, diesen (Un-) Stil rasch abgewöhnen selbst in der Politik macht der Ton die Musik.
Im Übrigen gibt es keinen zwingenden Grund, die Unterschriften-Sammelaktion von Herrn Vilimsky, die dieser durch Spendengelder(!) zu finanzieren gedenkt, zu unterstützen. Denn: Ein Abgeordneter allein steht im Parlament auf verlorenem Posten und kann die Gebührenhoheit des ORF mit Sicherheit nicht zu Fall bringen. Diese typisch blaue Aktion ist letztlich in ihrer Absicht zu durchsichtig, als dass sie etwas bewirken könnte.

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