Andreas Unterbergers Tagebuch

Die Lehren einer Krise

Wien (OTS) - Die Lehren einer Krise

Selbst der trägste, ereignislos dahinschleichende Sommer bekommt am Ende doch noch sein Thema. Da sonst nichts los war, trommelten fast alle Medien der Erde den jüngsten Börse-Absturz über alle angebrachten Proportionen hinaus in die Köpfe der Menschen. Was auch seinen Nutzen hat. Schließlich kann man aus jeder Krise lernen - auch wenn man die üblichen Ich-hab-es-ja-schon-immer-gesagt-Typen ignoriert, die nach jedem Unheil auftauchen. Einige Ansatzpunkte für Lernbereite:

1. Börsenkrisen sind normal. Nur Naivlinge können an eine stets nur steigende Kurve glauben - weshalb sie so oft vor Börsekrisen in eine Dienstmädchen-Hausse einsteigen. Relevant sind nur langfristige Entwicklungen. Und da haben produktive Veranlagungen noch immer viel für sich.

2. Besonders steil abgestürzt sind Computer-gelenkte Fonds. Eine gute Lehre zu einem Zeitpunkt, da Computer-Prognosen (ausgerechnet!) der UNO, der NGOs und der Boulevard-Medien mit Ankündigung einer Klimakatastrophe die gesamte Weltökonomie abwürgen wollen - was dann eine wirkliche Wirtschaftskrise auslösen würde.

3. Am besten agierten nicht Investoren-Teams, sondern von einem Chef geführte Fonds. Freilich können zu diesen auch Flöttls und Elsners zählen.

4. Die Weltwirtschaft ist in einem ungesunden Ausmaß von den USA abhängig. Obwohl die Europäer den Mund sehr voll nehmen, dass sie bald global Nummer eins sein würden, haben sie so wie die Chinesen und viele andere Amerikanern Geld auch zu extrem riskanten Konditionen geborgt.

5. Die Notenbanken sollten die Finanzmärkte nicht allzu eilfertig mit billigem Geld (also niedrigen Zinsen) aus ihrer selbstverschuldeten Krise retten. Schließlich ist die Blase durch zu große vazierende Geldmassen ausgelöst worden, die dann bei sehr unsicheren Anlagen gelandet sind.

6. Daher wird sich in Zukunft auch die Debatte verstärken, ob nicht eine Rückkehr zum Goldstandard die globale Stabilität sichern könnte.

7. Sollten sich im Herbst Buchinger&Co mit den Träumen von saftigen Lohnerhöhungen durchsetzen, wird das die Preise antreiben. Was dann auch die Zinsen in die Höhe treiben wird. Was dann einen echten Kurs- und Konjunkturabsturz auslösen wird. Aber das liest man noch nicht beim Friseur.

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