"KURIER"-Kommentar von Andrea Hodoschek: "Brief aus Moskau"

Österreich sollte gegenüber dem Angebot aus Russland sehr skeptisch sein.

Wien (OTS) - Auch wenn der Wirtschaftsminister über das "positive Signal" aus Russland frohlockt, beim Angebot zur Beteiligung an South Stream ist trotzdem viel Skepsis geboten. Russland kann die Nabucco-Pipeline, die dem Westen und damit auch Österreich ein Stückchen Unabhängigkeit bringen würde, nicht mehr verhindern. Das Offert aus Moskau könnte also auch nur ein Versuch sein, Österreich aus der Nabucco-Gemeinschaft herauszulösen und diese somit zu schwächen.
Natürlich ist es für den Westen am sinnvollsten, wenn beide Pipelines gebaut würden. Ob das auch der starke Mann im Kreml will, darf heftig bezweifelt werden. Putin hat nicht erst einmal bewiesen, dass er Energie als Waffe einsetzt, um seine politischen Interessen durchzusetzen. Er hat den Status Russlands als zuverlässiger Energielieferant wiederholt aufs Spiel gesetzt.
Das Dilemma des öl- und gasabhängigen Europas ist, dass die Ressourcen großteils in Staaten liegen, die allesamt keine Demokratien westlichen Zuschnitts sind. Russland ist das nicht, der Iran auch nicht, ganz zu schweigen von den Potentaten im arabischen Raum oder der Korruptokratie in Nigeria. Diese Herrschaftssysteme werden sich so schnell nicht ändern. Europa kann nur versuchen, das Risiko von Abhängigkeiten bei den Ressourcen und den Lieferströmen besser zu verteilen. Dazu bedarf es aber endlich einer mutigen und gemeinsamen Energiepolitik der EU.

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