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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 13. 08. 2007: ÖIAG: Ein Luxus, der sich nicht lohnt - von Angelika Kramer
Die ÖIAG hat wieder bewiesen, dass sie keine Existenzberechtigung hat
Wien (OTS) - Die Regierung hat sich nach anfänglichem Zieren der
SPÖ dazu entschlossen, die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG am
Leben zu lassen. Wieso, das weiss niemand so recht. Denn weitere
Privatisierungen der verbliebenen Beteiligungen OMV, AUA, Post und
Telekom Austria - die Hauptfunktion der Holding - wurden von Kanzler
Alfred Gusenbauer mehrfach dezidiert ausgeschlossen. Dass die ÖIAG
tatsächlich aber keine Existenzberechtigung hat, hat sie einmal mehr
vergangene Woche bewiesen.
Da Peter Michaelis und seine Kollegen nun also nicht mehr
privatisieren müssen/dürfen - fairerweise ist zu sagen, dass die
Hauptaufgabe dabei auch früher schon von teuren Investmentbanken
übernommen wurde -, können sie sich voll und ganz dem friedvollen
Gedeihen ihrer vier Beteiligungen widmen. Doch das genaue Gegenteil
ist der Fall. Eine volle Woche lang hat der Haupteigentümer der AUA
schweigend zugesehen, wie die Aktie mehr als zehn Prozent an Wert
einbüsste. Eine von vielen Börsianern sehnsüchtig erwartete
Klarstellung, wie es im Vorstand der Fluglinie weitergehen soll,
blieb volle fünf Börsetage aus. "Wir kommentieren keine Gerüchte",
heisst es dazu immer hartnäckig aus der ÖIAG. Dass es dabei schon
längst um viel mehr als blosse Gerüchte ging, war den Beteiligten
egal. Dabei hätte ein frühes Einschreiten des
Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Michaelis dem Aktienkurs und der
Harmonie im Unternehmen sicher nicht schlecht getan. Man fühlt sich
an die Tage zurückerinnert, als Telekom-Vorstand Heinz Sundt wochen-
bzw. monatelang mit der ÖIAG - zum Leidwesen des Unternehmenswertes -
um seinen Verbleib kämpfen musste.
Doch die Abstinenz der ÖIAG im AUA-Chaos war nicht der einzige
Fehlschlag vergangene Woche: Die unsinnige Forderung nach einem
fünften Post-Vorstand, während im restlichen Unternehmen ein
rigoroser Sparkurs gefahren wird, lässt Zweifel am wirtschaftlichen
Gespür der ÖIAG-Mannen aufkommen.
Nun könnte man als Nicht-Aktionär dem dilettantischen Schauspiel der
Ex-Privatisierer mit einer gewissen Belustigung zusehen - wenn, ja
wenn die ÖIAG nicht auch die Steuerzahler einiges kosten würde:
Immerhin arbeiten 29 - sicher nicht allzu schlecht bezahlte - Leute
bei der Verstaatlichtenholding, deren Chef vergangenes Jahr dafür
eine dreiviertel Million Euro kassiert hat. Wieso sollen wir uns
diesen Luxus noch länger leisten?
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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