"profil": Tote TV-Journalistin im Fall Aliyev - Gerichtsmediziner geht von Selbstmord aus

Obduktionsbericht aus Beirut: "Keine Spuren irgendeiner Aggression festgestellt"

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin "profil" veröffentlicht in seiner Montag erscheinenden Ausgabe bislang unbekannte Informationen über den Tod jener TV-Journalistin, mit dem der ehemalige kasachische Botschafter Rakhat Aliyev in den vergangenen Tagen gerüchteweise in Verbindung gebracht wurde.

Kasachische Medien hatten berichtet, Anastasia Novikova sei im Jahr 2004 spurlos verschwunden, ihre Leiche erst vor wenigen Tagen im Süden Kasachstans aufgetaucht.

Nach Recherchen von "profil" hatte die junge Frau am 29. März 2003 in Wien Daniyar Yesten, einen Angehörigen der kasachischen Botschaft, geheiratet und war wenig später mit ihm in den Libanon gezogen. Im August 2003 brachte sie dort eine Tochter zur Welt. Im Juni 2004 wurde sie am Gehsteig vor einem Wohnhaus in Beirut tot aufgefunden

Nach ihrem Tod wurde Novikova in Beirut gerichtsmedizinisch untersucht. "profil" liegen der libanesische Totenschein, das Obduktionsprotokoll und die polizeilichen Einvernahmen mit ihrem Ehemann vor. Demnach wurden am Leichnam der Frau massive Verletzungen durch den Sturz, aber "keine Spuren irgendeiner Aggression" festgestellt. Der Gerichtsmediziner wollte unmittelbar nach seiner Untersuchung zwar noch nicht mit letztgültiger Sicherheit bestätigen, "dass die Frau Selbstmord begangen hat." Man könne das aber "annehmen, weil sie psychologische Probleme hatte".

Ihr Ehemann Daniyar Yesten erklärte in seiner Einvernahme, Novikova sei in der Kindheit missbraucht worden und habe seither an Depressionen gelitten. Zitat: "Sie hat mir öfters gesagt, dass sie das Leben satt hat und nicht länger ertragen kann, was mit ihr passiert ist."

Offiziell geht Kasachstan nicht davon aus, dass Aliyev mit diesem Fall in Verbindung steht: "Er gilt in diesem Zusammenhang nicht als Verdächtiger", erklärten die Anwälte Wolfgang Moringer und Richard Soyer - sie vertreten im Fall Aliyev die Interessen der kasachischen Regierung Kasachstan - gegenüber "profil".

Yesten kam 2005 in Wien ums Leben: Er hatte nach einem Bericht der "Kronen Zeitung" in einem Botschaftswagen mit einem volltrunkenen Beifahrer mehrere Sachschadenunfälle verursacht und war auf der Flucht vor der Polizei am Stadtrand mit hohem Tempo gegen einen Baum geprallt.

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