"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Mafia-Methoden" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 8. August 2007

Innsbruck (OTS) - Was sich in der Bawag unter ÖGB-Führung abspielte, kann kein Autor seichter Krimiunterhaltung besser erfinden. Das Sittenbild, welches der Bawag-Prozess bisher zu Tage brachte, ist verheerend und verdient die Bezeichnung Mafiamethoden.

Beispiele gefällig? Obwohl Wolfgang Flöttl über 460 Millionen Euro verspekulierte, durfte er seinen Privatjet, teure Bilder und das Appartement in New York behalten. Jeder kleine Kreditnehmer wird sich die Haare raufen.

Wer auch nur kurz mit den Raten in Rückstand gerät, wird von der Bank ordentlich unter Druck gesetzt. Wer länger nicht zahlen kann, verliert sein Haus. Ganz zu schweigen von den immer noch strengeren Richtlinien bei der Kreditvergabe.

Ohne Genierer wurden auch Protokolle verändert und vordatiert. Um bei einer Prüfung durch die Nationalbank besser dazustehen, sollte die Sanierung der Flöttl-Geschäfte im Nachhinein formalrechtlich abgesichert werden. Ein früherer Bawag-Vorstand hat in einem Gedächtnisprotokoll sogar noch Abenteuerlicheres festgehalten.

Laut Christian Büttner habe Bawag-Boss Helmut Elsner so getan, als könne er die Prüfung durch die Nationalbank steuern. Auch wenn Elsner umgehend dementierte, würde selbst eine versuchte Manipulation der Nationalbank niemanden mehr überraschen.

Die Frage wann der frühere ÖGB-Boss Fritz Verzetnitsch über das Bawag-Desaster informiert war, gerät angesichts dieser Fakten zum Nebenschauplatz. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Verzetnitsch genau so wie der Aufsichtsrat der Bank und die Bankenaufsicht viel zu lange zuschauten.

Bleibt zu hoffen, dass die Bawag-Machenschaften die Ausnahme sind. In Tirol gelang es nach den Turbulenzen bei Tiroler Sparkasse und Raiffeisen Landesbank, wieder Ruhe einkehren zu lassen. Die Bankenwelt ist wieder aus den Schlagzeilen.

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