"Kleine Zeitung" Kommentar: "Chinas Politik pfeift auf die olympischen Versprechen" (Von Michael Schuen)

Ausgabe vom 08.08.2007

Graz (OTS) - Jetzt dauert es also noch genau ein Jahr bis zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Peking. Eines steht fest:
Es werden gigantische Spiele werden, ein Sportfest mit jubelnden Massen, großartigen Choreographien und grandiosen Bildern. Spiele, wie sie in einem totalitären System eben zu erwarten sind.

Die Schattenseiten werden in Peking 2008 kaum zu sehen sein. Die politische Führung wird sich mit Hand und Fuß - und nicht nur damit -wehren, dass die Welt diese zu Gesicht bekommt. Denn die Versprechen nach politischer Wende, die wohl einen Gutteil der Mitglieder des Internationalen Olympischen Comitees 2001 für Peking stimmen ließen, werden nur zu einem Minimum erfüllt sein. Die Menschenrechtsverletzungen im bevölkerungsreichsten Land der Erde sind nach wie vor eklatant.

Nach wie vor können in China 70 Delikte mit der Todesstrafe geahndet werden, nach wie vor wird dieses Urteil laut Schätzungen 8000 Mal pro Jahr auch vollzogen. Auch wenn keine offizielle Zahlen existieren, mutet da die "Erfolgsmeldung" des Regimes, dass es im vergangenen Jahr um zehn Prozent weniger Hinrichtungen gab, wie Hohn an.

Von Pressefreiheit ist China so weit entfernt wie Afghanistan vom Frieden. Journalisten, Aktivisten und Personen, die via Internet versuchen, Informationen zu Missständen aus China in die Welt hinauszutragen, werden weiterhin wegen Verrats angeklagt und abgeurteilt. Zwar hielt China Wort und verbesserte zumindest für Auslandsjournalisten die Arbeitsbedingungen, doch die Maßnahmen sind zum einen bis Ende 2008 und dem Ende des olympischen Interesses befristet und zum anderen zeigt die Praxis, dass Papier geduldiger ist als das offizielle China in der Duldung von kritischen Recherchen.

Das IOC, das unmittelbar nach der Vergabe hinausposaunt hatte, sich um die Verbesserung der Situation kümmern zu wollen, rudert bereits zurück. "Wir wollen nicht in politische Angelegenheiten involviert werden", sagte Hein Verbruggen, der die Koordination der Spiele als IOC-Mitglied leitet, "wir sind hier, um Spiele zu organisieren."

Damit führt sich der hehre Anspruch der olympischen Familie, neben Bestleistungen auch für den Weltfrieden zu sorgen, ad absurdum. Die Realität ist eine andere: Olympia wird von Geld regiert - und die Spiele in Peking versprechen Rekord-Einnahmen. Und vor allem:
Olympische Spiele haben noch nie Probleme gelöst, schon gar keine politischen. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. ****

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