Neuerungen in der Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie

Gemeinsames abgestuftes Angebot von MAG ELF, PSD und KAV

Wien (OTS) - Eine psychiatrische Erkrankung eines Kindes oder Jugendlichen stellt die Eltern meist vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass die Stadt Wien mit einem gemeinsamen, organisationsübergreifenden Angebot lückenlose Hilfestellung gibt. Vor allem dann, wenn die jungen Menschen eine Zeit lang oder gar nicht mehr zuhause betreut werden können, bieten die Wiener städtischen Einrichtungen ein abgestuftes Betreuungsangebot, das jetzt noch weiter ausgebaut wird.

Einrichtung eines Liaisondienstes für betreute Einrichtungen

"Wichtig in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit psychiatrischen Auffälligkeiten und Diagnosen ist die gute Kooperation der unterschiedlichen Professionen und Institutionen", so die Abteilungsleiterin der MAG ELF, Mag.a Renate Balic-Benzing. Von den 2.500 in Betreuung der Wiener Jugendwohlfahrt stehenden Kindern und Jugendlichen, weisen derzeit etwa 150 eine psychiatrische Diagnose auf. Sie können in so genannten sozialpädagogischen Einrichtungen der MAG ELF (betreute Wohngemeinschaften mit bis zu acht Kindern) gut untergebracht werden, benötigen jedoch immer wieder stationäre Aufenthalte in psychiatrischen Abteilungen.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der herausfordernden Aufgabe der Betreuung psychiatrisch auffälliger Kinder bedeutet auch Grenzen zu erkennen. Psychotherapie hat ihre Grenzen, ebenso kann die Sozialpädagogik keine psychiatrische Behandlung leisten oder ersetzen. Dafür braucht es FachärztInnen für Psychiatrie.

Ab Herbst 2007 wird daher in Zusammenarbeit mit dem Wiener Psychosozialen Dienst ein Liaisondienst eingerichtet. Regelmäßig werden FachärztInnen für Psychiatrie in den Einrichtungen der MAG ELF zur Behandlung der Kinder und Jugendlichen und als AnsprechpartnerInnen für SozialpädagogInnen fungieren. Darüber hinaus werden sie in Krisensituationen Soforthilfe leisten. Das Ausmaß dieses Liaisondienstes ist vorerst mit 15 Wochenstunden festgelegt und wird folgende Bereiche umfassen:

o Hilfestellung bei der Bewältigung krisenhafter Situationen in den sozialpädagogischen Einrichtungen o Mitwirkung und Unterstützung bei erforderlicher stationärer Aufnahme o Psychiatrische Nachbetreuung von Jugendlichen in sozialpädagogischen Einrichtungen nach einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik o Förderung des Dialogs und der Unterstützung des sozialpädagogischen Personals durch Fallbesprechungen

"Die Einführung des psychiatrischen Liaisondienstes in den sozialpädagogischen Einrichtungen des Jugendamtes ist ein wichtiger und notwendiger Schritt, um eine stabile und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Jugendwohlfahrt und Jugendpsychiatrie sicher zu stellen. Stabilität und Verlässlichkeit der Hilfesysteme ist die unverzichtbare Voraussetzung einer professionellen Unterstützung von extrem verhaltensauffälligen und psychisch kranken Kindern", so Balic-Benzing.

"Mit diesem Liaisondienst wird die Zahl der Psychiatrieaufnahmen bei den betreuten Jugendlichen sinken", ist Chefarzt Dr. Stephan Rudas, ärztlicher Leiter des PSD-Wien, überzeugt. Fachgerechte Hilfe vor Ort sei, wo immer sie möglich ist, der psychiatrischen Spitalsaufnahme vorzuziehen.

Kommt es jedoch zu einer notwendigen stationären Aufnahme, muss auch in diesem Bereich das Angebot vernetzt und die Zusammenarbeit aller Organisationen gewährleistet sein. "Gemeinsam ist sicherzustellen, dass eine akkordierte Entlassung der Betroffenen in eine betreute Einrichtung oder nachhause zum frühest möglichen Zeitpunkt erfolgt", so KAV-Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold.

Umbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Rosenhügel

Im Frühjahr 2007 kam es zu einer für die Kinder- und Jugendpsychiatrie einschneidenden Veränderung im Rahmen der Ärzteausbildung. So wird die bisher als Zusatzfach angebotene Kinder-und Jugendpsychiatrie nunmehr zu einem eigenen Sonderfach. "Dieser positiven Entwicklung tragen wir auch in struktureller Hinsicht Rechnung, indem wir die Abteilung im Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel, die bisher für neurologische und psychiatrische Erkrankungen Anlaufstelle war, in eine reine Kinder- und Jugendpsychiatrie umwandeln", so Dr.in Susanne Herbek, Direktorin der KAV-Teilunternehmung Krankenanstalten.

Um insgesamt 300.000 Euro wird die Station saniert. Im Zuge der Renovierungsarbeiten werden zudem erstmalig vier Betten geschaffen, die eine Betreuung für Kinder und Jugendliche ermöglichen, die nach dem Unterbringungsgesetz untergebracht werden müssen. Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die für sich selbst oder andere zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Gefahr darstellen.

Die kinderneurologischen Bereiche werden sukzessive in das Preyer’sche Kinderspital übernommen, die verbleibende Kinder- und Jugendpsychiatrie mit derzeit 17 Betten am Standort Rosenhügel soll schrittweise weiter ausgebaut werden.

Marhold: Auch künftig institutionsübergreifende Projekte geplant

Darüber hinaus gibt es in Wien immer wieder Kinder und Jugendliche, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht sofort in sozialpädagogische Betreuung oder nachhause entlassen werden können. Sie benötigen ein oft mehrwöchiges spezielles Rehabilitationsprogramm, mit psychotherapeutischem Angebot und manchmal auch medikamentöser Begleitung. "Für diese wienweit etwa 20 bis 30 jungen Menschen werden wir gemeinsam ein Angebot schaffen und somit die gute Zusammenarbeit zwischen der MAG ELF, dem PSD und dem KAV noch weiter intensivieren", so Generaldirektor Marhold. Mit der Planung und Konzeption dieser besonderen Einrichtung werde ab sofort begonnen. Zudem beauftragte Marhold im Frühjahr dieses Jahres die beiden renommierten Kinder- und Jugendpsychiater Univ. Prof. Dr. Ernst Berger und Univ. Prof. Dr. Max Friedrich mit der Erstellung eines Konzeptes zur weiteren Optimierung der Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie, das in die Gesamtplanung der Stadt Wien einbezogen wird. (Schluss) bw

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