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"Die Presse"-Leitartikel: "AUA im Zickzackkurs: Dicke Luft im Cockpit" von Hedi Schneid
Ausgabe vom 7.8.2007
Wien (OTS) - Die Austrian Airlines fürchten eine feindliche
Übernahme. Nun droht auch noch Gefahr von innen.
Diesen August haben sich AUA-Chef Alfred Ötsch und ÖIAG-Vorstand
Peter Michaelis wohl anders vorgestellt. Erstmals seit Langem
schaffte die Fluglinie wenigstens im zweiten Quartal des laufenden
Geschäftsjahres schwarze Zahlen. Der harte Sanierungskurs trägt
Früchte, was sich auch mit deutlich reduzierten Verlusten im
Halbjahresergebnis niederschlug. Also ein bisschen ausspannen,
abschalten, Urlaub machen für den AUA-Boss und seinen Präsidenten?
Weit gefehlt. Denn in der Führungsetage von Österreichs nationaler
Fluglinie wird derzeit das große Abschießen geprobt - und es geht
nicht um die Abwehr feindlicher Angreifer. Die AUA ist nämlich nicht
ins Visier von Lufthansa & Co. geraten, die sich den unliebsamen
Konkurrenten aus Österreich einverleiben möchten. Die Gefahr kommt
vielmehr von innen. Jetzt geht es um die Unternehmensführung, in der
- gelinde gesagt - die Chemie nicht mehr wirklich stimmt.
Mit dem vorzeitigen, nicht ganz freiwilligen Ausscheiden von
Vertriebschef Josef Burger sind die Differenzen im AUA-Führungstrio
derart eskaliert, dass sie nicht mehr vor der Öffentlichkeit zu
verbergen sind. Was vor einem Jahr, als Ötsch die AUA-Führung
übernahm, mit Argwohn zwischen dem Neuen und den beiden alten
Managern Josef Burger und Thomas Kleibl begann, hat sich zu einem
veritablen Führungsproblem ausgewachsen.
Die Folgen kann man sich ausmalen. Etwa so: Im Cockpit fliegen die
Fetzen, weil sich die Piloten nicht einig sind, wohin sie den Jet
steuern sollen. Das bremst bekanntlich nicht nur den Steigflug,
sondern führt meist zum Crash.
Dabei sollte die AUA-Führung andere Sorgen haben. Denn so rot wie
die Farben am Leitwerk sind auch die Zahlen. In den vergangenen
beiden Jahren schrieb die AUA jeweils 130 Millionen Euro Verlust.
Täglich sind das rund 350.000 Euro. Heuer soll der Abgang zwar
geringer ausfallen, verspricht Ötsch. Aber es wird wieder Verluste
geben. Erst für 2009 stellt der AUA-Chef einen dividendenfähigen
Gewinn in Aussicht. Bis dahin ist es noch ein harter Weg. Zumal der
AUA die Größe fehlt, um "exogene" Katastrophen wie einen extrem hohen
Ölpreis oder Terror zu bewältigen.
Ötsch hat im Vorjahr ein beinhartes Sparprogramm eingeleitet, das
vorerst wegen der hohen Abfertigungen viel kostet, im kommenden Jahr
aber voll greifen dürfte. Langstrecken wurden gestrichen, ein
weiterer Schnitt könnte wohl nur mehr das Stutzen der AUA zu einer
Regionallinie bedeuten. Aber das würden Politiker aller Couleurs wohl
mit Nationalstolz-geschwellter Brust zu verhindern wissen.
Es stehen auch andere wichtige Entscheidungen an. Etwa jene, mit
welchen Flugzeugen die AUA künftig unterwegs sein wird. Das
Marketing-Argument, eine junge Flotte zu haben, zieht nicht mehr
lange, zumal die neuen Airbusse verkauft wurden. Neue Jets kauft man
aber nicht wie Wurstsemmeln. Wer jetzt bestellt, bekommt 2015
geliefert. Dann haben die Boeings der AUA gut 20 Jahre auf dem
Buckel.
Eine schlagkräftige Führung ist absolut notwendig - ob das ein
komplett neues Management oder nur einen Vorstandswechsel bedeutet,
sei dahingestellt. Gefragt ist daher AUA-Präsident Michaelis, der als
Chef der Staatsholding ÖIAG auch die Interessen des Hauptaktionärs
der AUA vertritt. Aber Michaelis gilt nicht gerade als
konfrontationsfreudig. Abwarten, Tee trinken und auf Befehle von oben
warten - diese von Michaelis in Krisen gerne geübte Haltung wäre
jetzt fatal.
Zumal der "Befehl von oben" etwas anders lauten könnte als
erwünscht. Die AUA-Betriebsräte wollen nämlich die Gunst der Stunde
nutzen und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einschalten. Betriebsräte
sind zwar oft stur, aber nicht dumm. Sie werden ihre Finger bewusst
auf eine wunde Stelle der SPÖ legen: AUA- und ÖIAG-Führung werden der
rechten Reichshälfte zugerechnet.
Mit der Intervention beim Kanzler, gleich den gesamten Vorstand
auszutauschen, zementieren die Betriebsräte die AUA-Führung
paradoxerweise ein. Kommt Gusenbauer der Aufforderung nämlich nach,
kann er die Fluglinie gleich den Beschäftigten schenken. Bei
börsenotierten Gesellschaften ist es nämlich in einigermaßen
zivilisierten Ländern immer noch üblich, dass der Aufsichtsrat die
Führung von Unternehmen bestimmt. Und weder der gerade amtierende
Bundeskanzler noch die Betriebsräte. Zumal Politik hierzulande bei
der Besetzung von Top-Positionen bekanntlich schon lange keine Rolle
mehr spielen soll, nicht wahr?
AUA-Boss Ötsch unter Druck Seite 17
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