- 06.08.2007, 10:45:12
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Herzinfarkt-Therapie: Wien an der Weltspitze
Versorgung in Rekordzeit - im Durchschnitt binnen 80 Minuten Operation
Wien (OTS) - Durchschnittlich dauert es 80 Minuten von der
Diagnose eines schweren Herzinfarktes bis zum lebensrettenden
Eingriff. Mit diesem Wert hält Wien bei der Herzinfarkt-Versorgung
Weltrekord. Moderne internationale Richtlinien schreiben dafür einen
Richtwert von rund 90 Minuten vor. 90 Prozent der Gefäße können so
wieder geöffnet werden. "Wien ist Weltspitze bei der
interventionellen Versorgung von Herzinfarkten. Diese Spitzenqualität
gibt es für alle PatientInnen, ohne Ansehen von Person, sozialem
Status, Herkunft oder Alter. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es
keinerlei Alterslimits für Herz-, Augen-, oder
Gelenksersatzoperationen. Über die Behandlung entscheidet
ausschließlich die medizinische Indikation", erklärte Gesundheits-
und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely am Montag bei einer
Pressekonferenz mit der Direktorin der Wiener Spitäler Dr.in Susanne
Herbek und dem international renommierten Präsidenten der
Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Prof. Kurt Huber
(Primarius der 3. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital).****
Klare Worte gab es von Spitäler-Direktorin Herbek für jene, die
immer wieder versuchen, PatientInnen mit Meldungen über vermeintlich
lange Wartezeiten bei Operationen zu verunsichern: "Akutfälle werden
immer sofort behandelt. Termine für planbare Operationen werden mit
den PatientInnen unter Rücksichtnahme auf persönliche Wünsche
vereinbart." Der Wiener Krankenanstaltenverbund überprüfe regelmäßig
und stichprobenartig Anmeldelisten und Terminvergaben für planbare
Operationen.
"Die aktuellen Zahlen zeigen, dass man in den KAV-Spitälern im
Bereich Orthopädie maximal sechs Monate auf eine Operation wartet,
Tendenz sinkend. Auf planbare Augenoperationen wartet man zwei bis
maximal sechs Monate. Bei Herzoperationen wartet man etwa im
Krankenhaus Hietzing wegen der nötigen Vorbereitung vier bis sechs
Wochen." Viele PatientInnen wollen auch in ihrem Wunschspital
behandelt werden und würden deshalb bewusst längere Wartezeiten in
Kauf nehmen, erläuterte Herbek. Auf Grund der guten
Behandlungsmöglichkeiten griffen auch immer wieder
niederösterreichische PatientInnen auf die Wiener Spitäler zurück.
Klar sei auch, weshalb: "Dort beträgt die Wartezeit auf eine
Hüftoperation zwei Jahre."
Katheter-Methode sicherste Behandlung
Seit mehreren Jahren wird die Akut-PCI (Perkutane
Coronar-Intervention, eine interventionelle Katheter-Methode) als die
beste und sicherste Behandlung des akuten Herzinfarktes angesehen,
erklärte Herzspezialist Huber. Dabei gelingt es, neun von zehn
thrombotisch verschlossene Koronargefäße wieder zu öffnen. Allerdings
muss die Akut-PCI sehr rasch von einer erfahrenen Kardiologin oder
einem erfahren Kardiologen in einem entsprechenden Zentrum
durchgeführt werden. Nur so sei ein optimales Ergebnis und damit die
Verhinderung der Infarktausbreitung, die Erhaltung der Herzfunktion
und eine geringe Sterblichkeit zu erzielen.
Der Zeitfaktor spielt besonders bei frischen Herzinfarkten, bei
denen der Schmerzbeginn nicht länger als drei Stunden zurückliegt,
eine große Rolle. Hier muss laut Huber die am schnellsten verfügbare
Behandlungsmethode zum Einsatz kommen. Die Richtlinien empfehlen,
dass PatientInnen mit einem akuten Herzinfarkt, denen man mit hoher
Wahrscheinlichkeit eine Akut-PCI nicht innerhalb des erwähnten
Zeitraumes von 90 Minuten anbieten kann, mittels Thrombolyse-Therapie
(Auflösung eines Blutgerinnsels mit Medikamenten) behandelt und in
der Folge an ein Herzkatheterlabor transferiert werden sollen. Die
Thrombolyse sollte dabei bereits am Ort der Diagnosestellung
erfolgen.
Keine Zeit verlieren und sofort 144 rufen
Der Transferzeit von der Diagnosestellung bis ins Krankenhaus
mit Herzkatheter-Option kommt bei diesem Zeitdruck selbstverständlich
eine besondere Bedeutung zu. Daher sollte bei Verdacht auf einen
akuten Herzinfarkt auf jeden Fall sofort die Rettung gerufen werden.
Bei der Diagnose akuter Herzinfarkt sollte das offene Katheterzentrum
von der Rettung ohne Umwege direkt angefahren werden. Derzeit werden
50 bis 60 Prozent der PatientInnen mit der Rettung eingeliefert, die
restlichen PatientInnen wenden sich direkt an eine Ambulanz.
Das Wiener Modell
In Wien sind die sechs tagsüber verfügbaren Herzkatheter-Zentren
mit Erfahrung in der Akuttherapie (AKH, Hanuschkrankenhaus,
Krankenhaus Hietzing, Krankenhaus Rudolfstiftung, SMZ-Ost,
Wilhelminenspital) in optimaler Weise in die Versorgung von akuten
Infarkt-PatientInnen eingebunden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei
die Wiener Rettung, die mit dem nächstgelegenen Zentrum Kontakt
aufnimmt. Kann eine Akut-PCI nicht in vorgegebener Zeit von statten
gehen, wird mit einer Thrombolyse begonnen. Bei PatientInnen, die von
sich aus ein Krankenhaus ohne Akut-PCI-Möglichkeit aufsuchen, wird
dort in der Erstversorgung entschieden, ob ein ausreichend rascher
Transport in ein offenes Katheter-Zentrum möglich ist oder mit einer
Thrombolyse begonnen wird.
Mittels Rotationssystem der sechs Zentren in Wien wird dafür
gesorgt, dass in den Nächten von Montag bis Freitag Früh immer zwei
Herzkatheter-Zentren auf Akut-Fälle vorbereitet sind. Von Samstag bis
Montag Früh ist das AKH für die Akutversorgung von Herzinfarkten
alleine zuständig.
Herbek erläuterte die Logistik des abgestuften
Herz-Versorgungssystems der Wiener Gemeindespitäler. "Die
Herzstationen bilden ein durchdachtes Netzwerk. Sie sind über ganz
Wien verteilt und bieten je nach Bedarf große oder kleine
medizinische Interventionen. Die Rettung fährt also nicht das
geografisch nächste Krankenhaus an, sondern jenes, das genau zur
Versorgungsstufe des Herzfalles passt."
Herbek weiter: "Das heißt zum Beispiel, dass nicht alle
Hietzinger HerzpatientInnen automatisch nach Hietzing ins Krankenhaus
kommen, weil dieses eben nicht immer Dienst hat oder auch nicht für
jeden Fall passt." Deshalb werde sich auch durch die geplante
Übersiedlung der Hietzinger Herzchirurgie ins kommende Krankenhaus
Wien-Nord in der Grundversorgung im Westen der Stadt überhaupt nichts
ändern. Häufig werde die hochtechnisierte Herzchirurgie, die nicht
für alle PatientInnen die richtige Therapie sei, mit der Herzstation
verwechselt. "Herzstationen wird es auch künftig im Westen Wiens
genug geben", so Herbek.
Ergebnisse der Infarkt-Therapie in Wien
"Mit der optimierten Organisation ist es in Wien gelungen, den
Prozentsatz an Akut-PCIs auf über 60 Prozent zu erhöhen", erklärte
Huber. "Das ist innerhalb Österreichs wie international ein absoluter
Spitzenwert." Lediglich bei 20 Prozent der PatientInnen muss eine
Thrombolyse durchgeführt werden. Die Zahlen verändern sich laufend zu
Gunsten der Akut-PCI. Huber: "Leider können 13 Prozent der
PatientInnen weder mit Akut-PCI noch mit Thrombolyse behandelt
werden, da sie aus unterschiedlichen Gründen zu spät, also nach mehr
als 12 Stunden ab Infarktbeginn, ein Krankenhaus aufsuchen oder weil
es Kontraindikationen gegen beide Behandlungsoptionen gibt." Mit der
Einführung der optimierten Infarkttherapie in Wien ist die
Sterblichkeit der InfarktpatientInnen in den teilnehmenden Zentren
von bis zu 16 Prozent auf acht Prozent gesunken, während sie
österreichweit nach wie vor deutlich über 10 Prozent liegt.
PatientInneninformation rettet Leben
Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) sieht ihre
Aufgabe im Aufzeigen der Probleme, in der Unterstützung der Umsetzung
der Richtlinien, in der Mithilfe beim Logistikaufbau und in der
Ausbildung von RettungsärztInnen und interventionellen
KardiologInnen. In Informationskampagnen wird die Öffentlichkeit seit
Sommer 2006 über die wichtigsten Schritte bei der Früherkennung von
Infarktsymptomen und weitere Maßnahmen unterrichtet. PatientInnen
müssen wissen, dass die Zeit zwischen dem Auftreten der ersten
Symptome eines Infarktes (anhaltende druckhafte, gürtelförmige
Schmerzen im Brustbereich; Frauen haben in manchen Fällen eine
schwächere Schmerzempfindung, sollten aber auf jeden Fall bei
anhaltenden Schmerzen im Brustbereich aktiv werden) und dem Anruf bei
der Wiener Rettung unter 144 maximal 15 Minuten dauern sollte.
Rat und Informationen für PatientInnen nach einem Herzinfarkt
bietet auch die aktuelle Broschüre "Ein kleiner Ratgeber für
PatientInnen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) im Raum Wien" von Dr.
Bernhard Richter und Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber.
rk-Fotoservice: www.wien.at/ma53/rkfoto/
(Schluss) me
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz: http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/ Mag. Michael Eipeldauer Mediensprecher StRin. Mag.a Sonja Wehsely Tel.: 01/ 4000/ 81231 Handy: 0676/ 8118 69522 E-Mail: michael.eipeldauer@wien.gv.at Wiener Krankenanstaltenverbund/Presse Paul Vecsei Tel.: 01/40409-70051 E-Mail: paul.vecsei@wienkav.at
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