Kalina zu Leitl: Fachkräftemangel ist hausgemacht

Jene Branchen, die am meisten jammern, bilden am wenigsten aus

Wien (SK) - "Auch Wirtschaftskammer-Präsident Leitl darf es sich nicht so leicht machen und als einzige Lösung für den Facharbeitermangel billig Arbeitskräfte aus dem Ausland verlangen", erklärt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina am Samstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst zu den Aussagen von WKÖ-Präsident Leitl im "Journal zu Gast". Die Statistik zeige deutlich, dass gerade die Branchen, die nun am lautesten nach Billigarbeitskräften aus dem Ausland rufen, jene sind, die am wenigsten für die Ausbildung tun. "Der von der Wirtschaft so sehr beklagte Fachkräftemangel ist hausgemacht. Wer heute nicht ausbildet, dem werden morgen die Fachkräfte fehlen." ****

"In den letzten sechs Jahren, von 2000 bis 2006 sind die Lehrverträge bei den Elektroinstallateuren um 10,9 Prozent gesunken, bei den Baumaurern um 12,5 Prozent, bei den Tischlern und Bautischlern sogar um 29,6 Prozent und bei den vielbesagten Drehern um 21 Prozent", führt Kalina aus. Zwischen 1980 und 2006 ist die Zahl der Lehrstellen um fast 70.000 von 194.000 auf 126.000 gesunken. Im Juli 2007 gebe es für 10.019 Lehrstellensuchende nur 4.263 angebotene Lehrstellen. "Es braucht also wirklich keine Öffnung, denn die Facharbeiter gibt es:
Man muss sie nur ausbilden." Auch bei der an und für sich positiven Entwicklung der letzten Monate - so sind die Lehrstellen von März 2006 bis 2007 um 3,3 Prozent angestiegen - zeigt sich, dass die Industrie mit einem mageren Zuwachs von 0,7 Prozent auslässt.

Billigimport funktioniert auch nicht

Angesichts der Erfahrungen mit dem im Frühjahr festgelegten Kontingent von 800 Facharbeitern von Drehern, Fräsern und Schweißern zeige sich auch deutlich, dass der Import von Billigarbeitskräften nicht funktioniere. "Bis heute ist nicht einmal ein Viertel dieses Kontingents in Anspruch genommen worden. Damit zeigt sich eindeutig, dass an einer langfristigen Ausbildung im Inland kein Weg vorbei führt."

Und auch kurzfristig sei eine Lösung relativ einfach: "Zwischen 1999 und 2006 ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen, die über einen Lehrabschluss verfügen, um 172 Prozent auf rund 82.000 Menschen gestiegen. Diese Personen wären relativ leicht und kurzfristig durch sinnvolle und zielgerichtete AMS-Kurse entsprechend qualifizierbar. "Hier ist auch das AMS gefordert", so der SPÖ-Bundesgeschäftsführer. "Wenn die Wirtschaft nicht bereit ist, selbst der Aufgabe der Ausbildung der jungen Menschen nachzukommen und den schönen Worten auch Taten folgen zu lassen, dann wird hier die Politik die notwendigen Schritte setzen müssen. Ein solcher Schritt kann auch ein Ausbildungsfonds sein, in den alle Unternehmen einzahlen und nur jene Geld bekommen, die auch wirklich etwas für die Lehrlingsausbildung tun", präzisiert Kalina. (Schluss) js

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