WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3. 8. 2007: Das Glück is a Vogerl, das Pech a Flieger - von Arne Johannsen

Am Himmel sollte eigentlich Platz für alle sein

Wien (OTS) - Begonnen hat es mit Inseraten und viel Humor. Mit dem Slogan "Bei diesen Preisen sagt keiner AUA" warb die Billig-Airline Sky-Europe um neue Kunden. "Spätestens beim Rückflug mit SkyEurope sagen Sie AUA", konterte der attackierte Marktführer. Doch beim verbalen Schlagabtausch blieb es nicht: Seit März hebt die in Bratislava stationierte Low-Cost-Airline auch von Wien aus ab, ab Oktober wird die Zahl der Flugzeuge ab Wien verdreifacht, die Zahl der angeflogenen Destinationen um 50 Prozent erhöht. SkyEurope-Chairman Christian Mandl meint es also ernst mit dem Angriff auf das zentrale Nervensystem des grossen Konkurrenten.

Für die AUA kommt die Attacke aus dem Osten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Airline-Chef Alfred Ötsch hat es ohnehin schwer, den eingeschla-genen Sanierungskurs zu halten. Vor allem der wieder stark gestiegene Ölpreis hängt wie Ballast an der Luftflotte und verhindert ihr Aufsteigen aus der Verlustzone.

Zwar ist SkyEurope mit ihren Passagierzahlen von denen der AUA weit entfernt, und beide Konkurrenten tummeln sich auf einem Markt, der jährlich um rund fünf Prozent wächst. Am Himmel sollte also für alle ausreichend Platz sein. Doch in der Wirklichkeit wird der Kampf um jeden Passagier härter. Denn die kritische Grösse für Airlines steigt und steigt. Die neuen Grossraum-Flugzeuge von Airbus und Boeing erlauben es, die Kosten pro Passagier zu senken - wenn man die Maschinen voll bekommt. Und da stört jeder Mitbewerber, auch wenn er klein ist. Zudem haben mittlerweile auch viele Firmen bemerkt, dass man in Billig-Fliegern keineswegs auf umgedrehten Bananenkisten sitzen muss. Bedeutet: Auch im lukrativen Segment der Business-Passagiere wildern die Billig-Konkurrenten.

Ein weiterer Stachel im AUA-Fleisch ist der neue Flugplan von SkyEurope. Denn angesteuert werden auch Städte wie Warschau und Krakau. Damit bekommt die AUA ausgerechnet in dem Bereich Konkurrenz, auf den sie sich fokussiert: im CEE-Raum.

Profiteur des Wettkampfes der Airlines ist der Wiener Flughafen, schon bisher grösster Gewinner der Luft-Wertschöpfungskette. Zwar sind auch die Flughafen-Gebühren unter Druck, doch im Non-Aviation-Bereich (also den Shops) verdient der Airport an jedem Fluggast.

Für die AUA bedeutet die Expansion von Sky-Europe den endgültigen Abschied vom Traum, von einem gesicherten Heimmarkt aus zu operieren. Das Glück is a Vogerl, das Pech a Flieger.

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