"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Wie man schnell zu Wohlstand kommt" (Von Kurt Horwitz

Wien (OTS) - Man nehme ein paar prominente Namen wie
beispielsweise Julius Meinl oder Karl-Heinz Grasser, kündige große Investitionen in Kraftwerke und einen Börsegang an: Dann klingeln fröhlich die Kassen - vorausgesetzt, dass in den Management- und Lizenzverträgen die richtigen Klauseln versteckt sind.
Bei der jüngst gegründeten Kraftwerksfinanzierungsgesellschaft Meinl International Power (MIP) funktioniert das so: Erst einmal kassiert die Meinl Bank vorneweg ein paar Millionen Euro dafür, dass sie der MIP ihren Namen und das Logo zur Verfügung stellt. Lizenzgebühr heißt das unauffällig auf Seite 83 des Börseprospekts, der nur in schwer verständlichem Juristen-Englisch verfügbar ist. Meinl ist nach eigener Einschätzung auf den zentral- und osteuropäischen Märkten "seit mehr als hundert Jahren ein Begriff" - allerdings als Gemischtwarenhändler und nicht als Finanzinvestor.
Kräftig abkassieren wird auch die Managementgesellschaft, an der die Meinl Bank zu zwei Dritteln und Karl-Heinz Grasser zu einem Drittel beteiligt sind. Wie es sich für einen Ex-Finanzminister gehört, ist die Gesellschaft aus steuerlichen Gründen nicht in Österreich, sondern als "Postkasten 75" in der New Street 26 auf der Kanalinsel Jersey angesiedelt. 9,48 Millionen Euro werde das "Management Fee" im ersten Jahr betragen, heißt es im Prospekt.
Der Erfolgsdruck lastet jetzt auf Ex-Verbundchef Hans Haider als Geschäftsführer. Er muss Projekte anschleppen, mit denen Geld verdient werden kann. Karlheinz Grasser hat dagegen seinen Job schon gemacht. Sein Name sollte Anleger anlocken, und das ist mit einem Zeichnungserlös von 600 Millionen Euro auch gelungen.
Ins Rampenlicht geraten ist mit der MIP auch eine andere Meinl-Gründung. Die Meinl Airports International (MAI) sucht seit dem Börsegang Ende April nach einschlägigen Projekten. Bisher ist sie aber noch nicht fündig geworden. Das Geld der Anleger, immerhin 700 Millionen Euro, parkt auf dem Geldmarkt.
An der Börse sind beide Aktien abgestürzt. Da das Kapital (abzüglich von Spesen und Gebühren) mangels Projekten noch vorhanden ist, ist der Kursverfall von zehn Prozent gleich am ersten Tag bei der MIP und von 15 Prozent seit Anfang Mai bei der MAI übertrieben. Besonderes Renommee für die Meinl Bank sind beide Projekte aber nicht.
Sollten die Unternehmen irgendwann einmal florieren, werden die Anleger die Spesen verschmerzen. Das Risiko tragen sie allerdings ganz allein. Das wird ihnen auf der Homepage der MIP auch klar und deutlich mitgeteilt, und zwar in gut verständlichem Deutsch.
"Eine Veranlagung in die Aktie der Meinl International Power ist als hochriskant einzustufen. Es handelt sich um ein spekulatives Investment mit extrem hohem Risiko, einschließlich der Möglichkeit des Totalverlustes des angelegten Kapitals." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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