Andreas Unterbergers Tagebuch

Schule contra Eltern

Wien (OTS) - Schule contra Eltern

Österreich hat ein wachsendes Problem: Die Erziehungsdefizite unserer Kinder. Sommerliche Skurrilitäten wie "Bildungsstandards für Dreijährige" sind freilich nicht imstande, diese Krise zu lösen. Eltern wie Schule schieben sich gegenseitig die Schuld an der Krise zu - und sie haben beide recht. Denn in Wahrheit versagen beide.

Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder einfach in der Schule abgeben und dann neun, zwölf oder sechzehn Jahre später perfekt ausgebildete, leistungswillige und motivierte Menschen zurückbekommen. Sind die Kinder doch einmal daheim, dann lässt man sie durch den Fernsehapparat betreuen. Viele Eltern widmen dem Nachwuchs zu wenig Zeit und Zuwendung, dafür umso mehr Geld (wegen dessen Erwerb sie dann noch weniger Zeit haben). Sie wagen auch kaum noch, den Kindern durch konsequente "Neins" Grenzen zu setzen.

Die Schule ist mit dem Ergebnis völlig überfordert. Überdies wurden die Lehrer durch einen Generalangriff der Juristen entmündigt, denen sie ständig für negative Noten Rechenschaft geben müssen. Direktoren wie Schulverwaltung kritisieren Lehrer meist nicht deswegen, weil die Kinder bei ihnen nichts lernen, sondern nur wenn Lehrer es überhaupt noch wagen, negative Noten zu geben. Zu allem Überdruss werden die Lehrer auch noch von weltfremden Pädagogen drangsaliert, wie etwa den Schöpfern der sinnlosen Rechtschreibreform oder den Gesamtschulversuchern.

Nur zaghaft hat hingegen die notwendige Debatte begonnen, dass an Stelle der Kuschelschule mit Maturagarantie objektive Leistungsmessungen nötig sind, damit die Schüler das Lernen wieder ernster nehmen. Die Diskussion ist freilich sofort skurril geworden:
Eine Aufnahmsprüfung, so wird kritisiert, sei eine zu punktuelle Hürde am Weg in die AHS; entscheidend sollen die Noten der letzten zwei Volksschuljahre sein. Bei der Matura hingegen wird von den gleichen "Experten" genau umgekehrt argumentiert: Man dürfe nicht die Schulnoten als Zugangshürde zur Uni (also einen Numerus clausus) nehmen, weil Schulen unterschiedlich streng sind, weil Noten oft verschenkt werden.

Nur zur Klarstellung: Es geht nicht um ein Sommerkabarett von Pädagogen und Politikern, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft.

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