Überzogene Sparvorschläge: Massive Kritik von Dorner an Leitl

Einsparpotenzial von zwei Milliarden in den Spitälern für Dorner "ein tolldreistes Märchen"

Wien (OTS) - Massive Kritik an den "unreflektierten Äußerungen" von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zum Gesundheitssystem kommt heute vom Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Walter Dorner. Das von Leitl konstant wiederholte angebliche Einsparpotenzial von zwei-Milliarden Euro "sei ein tolldreistes, pseudoökonomisches Märchen - unrichtig, irreführend und durch nichts zu belegen", stellte Dorner in einer Aussendung am Dienstag klar. Tatsächlich fehle in den Spitälern Geld. Dies sehe man an der Diskussion über die unbezahlten Überstunden bei den Spitalsärztinnen-und ärzten, die bereits eine Grenze von 120 Millionen Euro überschritten hätten.

Die von Leitl immer wieder kolportierte Zahl sei "rein virtuell" und nichts als eine ungeprüfte Übernahme von EU- bezw. OECD-Schätzungen durch einen gesundheitspolitischen und medizinischen Laien", erklärte der ÖÄK-Präsident. Selbst im Gesundheitsministerium existiere derzeit keine Gesamtrechnung, wie sie eine seriöse Betrachtung der Gesundheitsfinanzen erforderte. Würde jedes vierte Spital geschlossen - dies entspricht in etwa der Größenordnung der Einsparung - müssten viele Österreicherinnen und Österreicher "bald die Flugrettung beanspruchen, wenn sie ein akutes Leiden haben und ein Viertel der heute im Spital Beschäftigten stünden auf der Straße", so Dorner. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass auch der niedergelassene Bereich "finanziell ausgeblutet werde". "Wir haben damit kein Auffangbecken da für die Patienten, die sonst in den Spitälern behandelt würden. Ich denke, diese Tatsachen reflektieren sehr anschaulich die unsoziale Haltung, die hinter derartigen Vorschlägen der Wirtschaftskammer steckt", erklärte der Ärztepräsident.

Seriöse Ökonomen sähen überhaupt nur ein Sparpotenzial in den Spitälern, wenn gleichzeitig Leistungen in den niedergelassenen Bereich ausgelagert und neue Modelle der gesundheitlichen Versorgung geschaffen würden, berichtete Dorner. Das Geld dürfe aber nicht anders wohin versickern. Wenn nun von Akut- zu Pflegebetten umgeschichtet würde, so blieben ja trotzdem Betreuungsaufgaben und der dafür notwendige Pflegeaufwand zu finanzieren. Die Wirtschaftskammer sei daher gut beraten, "sich um ihre eigenen Agenden zu kümmern und nicht in der Gesundheitspolitik Miesmacherei zu betreiben".

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