"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das ewige Lächeln Tony Blairs fehlt den Briten nicht mehr" (von Erhard M. Hutter)

Ausgabe vom 30.07.2007

Graz (OTS) - Was britische Politiker angeblich am meisten
fürchten, sind "Events". Solche aber haben den sorgsam geplanten Einstieg der Regierung Gordon Brown erschüttert, wenn auch nicht aus der Bahn geworfen.

Glück und Geschick der Sicherheitskräfte standen Brown in den potenziell blutigen Attacken islamischer Fanatiker im Ärztekittel zur Seite. Das wiederum hat Browns Willen zum schonungslosen Kampf gegen den Terrorismus nur verstärkt.

Nach dem vereitelten Attentat auf den russischen Dissidenten Boris Beresowski musste der Premier ohne Rücksicht auf Gegenschläge handeln. Er verwies russische Diplomaten des Landes, weil sich Moskau beharrlich weigerte, den Mörder des Exil-Russen Alexander Litwinenko der englischen Gerichtsbarkeit auszuliefern.

Im Inneren bilden die Überschwemmungen in Zentral- und West-England die schwerste Bewährungsprobe für den neuen Premier. Von Anfang an zeigte sich Brown als nationaler Führer, in voller "Kontrolle" der katastrophalen Situation. Umgehend besuchte er die Notstandsgebiete, um Vertrauen in seine Führung zu wecken. Er versprach sofortige Hilfe für die halbe Million Opfer und Maßnahmen auf lange Sicht, um verderblichen Auswirkungen des Klimawechsels vorzubeugen.

Der Stil hat sich augenfällig geändert. An die Stelle der blendenden Auftritte von Tony Blair ist die nüchterne Atmosphäre des überlegten Brown getreten. Politische Entscheidungen werden nicht mehr im kleinen Kreis machtvoller Berater getroffen, sondern im aufgewerteten Kabinett. Minister haben nun ein gewichtigeres Wort in den Entscheidungen ihrer Ressorts als unter Blair, als sie oft nur Erfüllungsgehilfen des Premiers waren.

Wandel ist Browns Schlagwort. Vom Erbe des Vorgängers hat er manches über Bord geworfen, aber die generelle Tendenz bleibt. Ein vorzeitiger Abzug der britischen Truppen aus dem Irak kommt für Brown nicht in Frage. An den speziellen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten lässt er nicht rütteln. Doch das herzliche Einvernehmen Blairs mit dem US-Präsidenten Bush muss einem distanzierten Verhältnis weichen, wie der gegenwärtige Besuch Browns im Weißen Haus offenbart.

Die Bevölkerung honoriert die Entschlusskraft des neuen Premiers. In den Umfragen hat Labour die Konservativen deutlich überflügelt. Diese günstige Entwicklung könnte Brown bewegen, die Bürger noch in diesem Jahr an die Urnen zu rufen. Die Oppositionsparteien bereiten sich jedenfalls darauf vor. ****

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