Bauarbeiter werden unmenschlich behandelt!

GBH: Hitzebelastung für Bauarbeiter bis zum Umfallen - Politik muss endlich aktiv werden

Wien (GBH/ÖGB) - Seit Wochen herrscht in Österreich strahlendes "Badewetter" mit ungewöhnlich hohen Temperaturen. Für Bauarbeiter ist dies kein Grund zur Freude. Es bedeutet, in praller Sonne bei Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius beinahe pausenlos zu arbeiten -wie die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) vergangene Woche aufgezeigt hat, auf einigen Baustellen sogar, ohne ausreichend Trinkwasser zur Verfügung zu haben.++++

"Ich wiederhole es noch einmal: Solche Zustände hauen auch den stärksten Bauarbeiter um", bekräftigt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Johann Holper: "Bei einer solchen Hitze-, Ozon- und UV-Belastung wie sie jetzt gerade vorherrscht, muss es auf jeden Fall Arbeitspausen und wenn nötig auch die Einstellung der Arbeit auf Baustellen geben. Es ist schön, dass Minister Bartenstein kürzlich in einer Aussendung den Arbeitgebern Maßnahmen zur Minimierung der Hitzebelastung bei Arbeiten im Freien empfohlen hat -ausreichend ist dies jedoch nicht. Herr Minister, Empfehlungen alleine helfen leider nicht, was wir brauchen, sind verbindlich einzuhaltende Regelungen!"

Holper weiter: "Zusätzliche Arbeitspausen bei großer Hitze müssen gesetzlich festgelegt und deren Einhaltung von der Arbeitsinspektion überprüft werden. Ausreichend Trinkwasser und Erfrischungsgetränke müssen, ebenso wie Sonnenschutzkleidung und -mittel, vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden - es handelt sich schließlich auch bei diesen Kleidungsstücken um persönliche Schutzausrüstung! Und die GBH fordert die politisch Verantwortlichen schon seit Jahren auf, die Gesundheitsgefährdung durch Ozon endlich in die Regelung des Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetzes einzubeziehen. Wir versuchen außerdem, auch auf kollektivvertraglicher Ebene zu einer Verbesserung der Situation zu kommen. Der Nationalratsabgeordnete und Bau-Holz-Gewerkschafter Josef Muchitsch wird zu dieser Thematik auch eine parlamentarische Anfrage einbringen und unsere gemeinsamen Ziele damit unterstützen. Die Sekretäre der GBH sind täglich auf Baustellen unterwegs, verteilen Sonnencremen und Mineralwasser und sehen, wie unmenschlich manche Arbeitgeber ihre Arbeiter behandeln. Wenn auch die politisch Verantwortlichen öfter aus ihren - wahrscheinlich klimatisierten - Büros hinaus und auf Baustellen gehen würden, müsste auch ihnen klar werden, wie dringend es hier Handlungsbedarf gibt."

Holper abschließend: " Wichtig ist auch, dass die öffentliche Hand ihre Bauzeitpläne endlich so realistisch gestaltet, dass der enorme Zeitdruck und Stress für die Bauarbeiter vermindert wird. Gerade auf Straßenbaustellen wird beinahe rund um die Uhr gearbeitet, Hitzepausen werden kaum ermöglicht. Es kann doch nicht im Sinne des Bundes und der Länder sein, dass sich die Bauarbeiter auf ihren Baustellen buchstäblich kaputt arbeiten! Den Bauarbeitern ist es zu verdanken, dass es gute Straßen, schönen Wohnraum und eine funktionierende Infrastruktur gibt. Sie haben es sich nicht verdient, von der Politik so vernachlässigt zu werden. Und sie haben es sich im Übrigen genauso wenig verdient, von einer Tageszeitung, die verzweifelt versucht, ihr thematisches Dauer-Sommerloch zu stopfen, in lächerlicher Art und Weise beschuldigt zu werden, sie würden immer noch zu wenig auf Baustellen zu sehen sein. Ich weise die betreffenden Journalisten darauf hin, dass auch Bauarbeiter zur Mittagszeit, denn genau zu diesem Zeitpunkt fand der so genannte `Lokalaugenschein´ statt, das Recht auf eine kurze Essenspause haben, die sicherlich auch diese Journalisten für sich in Anspruch nehmen. Nur mit dem Unterschied, dass zu deren Arbeitsbeginn die Bauarbeiter schon Stunden der Arbeit hinter sich hatten, bei der sie neben der Hitze auch noch Stress, Lärm, Staub, Abgase und rücksichtslose Autofahrer zu ertragen hatten und der Bauarbeiter-Arbeitstag auch keinesfalls früher endet. Ich wünsche mir für unsere Bauarbeiter stattdessen eine faire Berichterstattung, die auch auf deren umfangreiche Belastungen Rücksicht nimmt. Da gäbe es Themen genug!"

ÖGB, 27. Juli
2007 Nr. 452

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