Andreas Unterbergers Tagebuch

Quotengewäsch

Wien (OTS) - Quotengewäsch

Nach der Frauen- nun die Nachwuchsquote für Politiker: So verlangte es der Grüne Christoph Chorherr. Dass er nun selbst Opfer einer grüner Quote für NGOs werden dürfte, ist ein pikanter Kollateralschaden. Es war freilich schon lange klar, dass einer wie er scheitern muss, der ökonomische Vernunft mit grünen Ideen kombinieren will.

Zurück zur Quote: Sie ähnelt stark dem uralten Bündeproporz der ÖVP. Seinetwegen war oft die Rücksicht auf den Osttiroler ÖAAB oder den Mühlviertler Wirtschaftsbund wichtiger, als dass der beste Mann (was wie immer geschlechtsneutral zu verstehen ist) am richtigen Platz landet.

Es gibt noch viele andere Gesellschaftsgruppen, die für sich eine Quote fordern könnten: Wie spiegelt sich etwa die wachsende Zahl an Pensionisten? Wo bleibt die Quote für all jene, die weder Beamte noch Kammerangestellte sind? Wo sind - angesichts des großen Überhangs studierter Menschen in Parlamenten und Regierungen - die geschützten Mandate für die vielen Nicht-Akademiker?

Jede dieser Quoten-Ideen ist ungefähr gleich gut argumentierbar, abhängig von der Lautstärke der jeweiligen Lobby. In der Summe laufen sie auf ein Milizparlament hinaus: Ein solches wird nicht gewählt, sondern für je 30.000 Österreicher käme einer per Zufallsgenerator hinein. Dann wären automatisch alle denkbaren Quoten-Wünsche erfüllt. Glaubt jedoch jemand im Ernst, dass so die immer schwieriger werdenden Aufgaben in Gesetzgebung und Verwaltung besser gelöst werden könnten?

Geht es uns um die Demokratie, dann müssen wir wieder die Gegenrichtung einschlagen. Einst haben sich sozialistische wie christliche Arbeiter ja auch überdurchschnittlich stark von Anwälten, Ärzten oder Professoren vertreten lassen.

Um wirklich die Besten für die wichtigsten Funktionen des Landes zu gewinnen, sollten wir - statt über Quoten zu quatschen - darum kämpfen, dass die Tätigkeit eines Politikers wieder respektabel und finanziell attraktiv wird. Dass er (ähnlich wie es bei Frauen nach der Kinderpause sein sollte) nach dem Mandat problemlos ins "normale" Berufsleben zurückkehren kann.

Denn vor lauter populistischer Vernaderung haben wir heute in der Politik ein gewaltiges Qualitätsdefizit, kein Privilegien- oder Quotenproblem.

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