Die Rallye der Getreidepreise geht in die nächst Etappe

Für die EU nach unten revidierte Ernteprognose - Kein Marktdruck aus Ungarn

Wien (AIZ) - "Der Markt ist so heiß wie zurzeit das Wetter mit tropischen Temperaturen." So beschreiben Marktteilnehmer die im Windschatten der internationalen Märkte derzeitig auch in Österreich dahinrasende Rallye der Getreidepreise. Premium- und Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse legten eine Woche nach ihrer Erstnotierung aus der Ernte 2007 prompt nochmals um EUR 5,- pro t zu. Das oberste Preisband liegt damit bei EUR 190,- pro t. Manche Beobachter halten in weiterer Folge sogar noch das Durchbrechen der Schallmauer von EUR 200,- für möglich.

An Erzeugererlösen direkt ex Ernte hört man von EUR 170,- Euro pro t und mehr netto für Premium- und EUR 165,- für Qualitätsweizen. Nachdem der angesehene französische Analyst Strategie Grains gestern seine Juli-Ernteprognose für die EU gegenüber dem Juni um 5,8 Mio. t auf 270,7 Mio. t nach unten revidierte, starteten an der für Europa tonangebenden Warenterminbörse MATIF in Paris die Weizennotierungen auf ihr Allzeit-Hoch seit ihrer Markteinführung 1998. Der für die Ernte 2007 maßgebliche November-Future für Weizen erreichte am Donnerstag kurzfristig EUR 190,50 pro t und schloss dann mit EUR 189,- pro t um EUR 4,25 pro t höher als am Vortag. Damit werde man sich auch in Österreich möglicherweise auf eine weitere Etappe der Preisrallye einstellen müssen, meinten daraufhin Marktteilnehmer.

Strategie Grains begründet die reduzierte Ernteprognose - seit April schraubten die Analysten ihre Erwartungen für die EU-Getreideerträge 2007 schon um 14 Mio. t zurück - mit ernsthafter Dürre im östlichen Europa und der verregneten Erntekampagne im Westen. Die Aussichten für die Weizenernte der EU-27 nahm Strategie Grains im Monatsabstand um 2,9 Mio. t auf 118.9 Mio. t - das sind immer noch 2% mehr als 2006 - und die für Mais um 1,6 Mio. t auf 54,7 Mio. t. Die Analysten sehen die stärksten Ernteausfälle in Frankreich als Folge von Pflanzenkrankheiten und anhaltend nassen Wetters währen der Ernte. Dadurch sollen die schon vor der Schlechtwetterperiode nur schwachen bis bestenfalls durchschnittlichen Hektolitergewichte beim Weizen noch weiter gedrückt worden sein. Pflanzenkrankheiten würden weiters die Ernten in Großbritannien und Deutschland in der Qualität schmälern.

In Österreich beginnt Weizenmarkt anzulaufen

Indessen, so hört man, beginne der Handel zunehmend Umsatz mit inländischen Mühlen zu tätigen. Die italienische Klientel wartet offensichtlich noch die deutschen Ernteergebnisse und die Qualität des französischen Basis-Weizens ab, ehe es den Zukauf der notwendigen Aufmischware entscheidet. Entlang der ganzen Kette der Lebensmittelproduktion von Mühlen bis zur Backwarenindustrie hört man zunehmend die jeweils steigenden Einstandspreise für Rohware beziehungsweise Ausgangsstoffe in Form von Preiserhöhungen an die nächst folgende Verarbeitungsstufe und schließlich an den Endverbraucher überwälzen zu müssen.

Ungarn verzeichnet Ernteeinbußen - Kein Marktdruck auf Österreich

Bisher völlig ausgeblieben ist Marktdruck aus dem benachbarten Ungarn. Zum einen fallen dort die Erträge deutlich geringer als 2006 aus und zum anderen halten die magyarischen Produzenten, in der Spekulation auf weiter steigende Preise, Ware zurück beziehungsweise geben sie auch nicht unter dem international etablierten Preisniveau ab. In Ungarn akzeptierte die Kommission diese Woche 142.796 t Mais aus der Intervention für den Binnenmarkt zu weiter steigenden Preisen zwischen EUR 146,08 und 150,25 pro t. Sollten den Prognosen entsprechend Hitze jenseits der 40 Grad Celsius und Trockenheit noch nächste Woche ausdauern, so befürchtet die Ungarische Getreideerzeugervereinigung eine Halbierung der kommenden Maisernte 2007 gegenüber dem Vorjahr. "Diese Hitze mit über 40 Grad Celsius ist eine lebensbedrohliche Gefahr für den Mais", so deren Präsident Jozsef Vancsura gegenüber Reuters. Ein Witterumschwung könne zwar noch Besserung bringen und es sei noch nicht sicher, dass Ungarn nach den 8,4 Mio. t Mais 2006 und dem Rekord von 9 Mio. t 2005 heuer nur 4 Mio. t Mais einfahren werde, zeigt sich die Generalsekretärin der Getreide- und Futtermittelvereinigung des Handels, Zsofia Potsa, vorsichtiger, doch könne eine Halbierung "Probleme bringen, weil dann keine Lagerbestände mehr für Exporte da sein werden".

Laut Budapester Landwirtschaftsministerium ist heuer auch die gestern auf 96% der Anbaufläche mit einem Ertrag von 3,85 Mio. t abgeschlossene Weizenernte kleiner ausgefallen als 2006. Nach 4,4 Mio. t Weizenertrag zeichnet sich damit heuer ein Minus von rund 10% ab. Handelsverband-Generalsekretärin Potsa auch hier vorsichtig:
Selbst wenn sich noch pessimistischere Ernteprognosen von 3,5 Mio. t Weizen erfüllen würden, hätte Ungarn aus der Ernte 2007 noch immer 1 Mio. t Exportpotenzial. Aber auch in Ungarn gelte: "Wir haben einen unglaublichen Nachfragemarkt, die Preise steigen von Tag zu Tag."

In diesem Umfeld zogen an der Wiener Börse auch neuerntige Futtergerste und alterntiger Mais - wiederum in trauter Zweisamkeit parallel - ein weiteres Mal an und halten sich mit EUR 152,- bis 156,- pro t leicht über den Spitzenpreisen der Zuschläge für ungarischen Interventionsmais für den Binnenmarkt.

Ernte in Österreich vor Abschluss

Nach der Hitzeperiode der abgelaufenen Woche sollten zum Wochenende 90% der heimischen Getreidefelder abgedroschen sein. Der Tross der Mähdrescher arbeitete sich zuletzt immer weiter nach Norden und nach Westen in den Raum Oberösterreich vor. Hier wird von zufriedenstellend hohen Weizenerträgen mit entsprechend geringeren Proteinwerten im Mahlweizenbereich berichtet. Mit der stärkeren Differenzierung der Qualitätsanteile gehen Beobachter auch von einer stärkeren Preisdifferenzierung der einzelnen Qualitätsstufen aus der Ernte 2007 im Vergleich zu den Vorjahren mit fast ausschließlich Premium- und Qualitätsweizenanteil aus. Zusehends enttäuscht zeigt man sich von der Qualität der Sommergerste.
(Schluss) mö/pos/pom

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