Andreas Unterbergers Tagebuch

Israel und Österreich

Wien (OTS) - Israel und Österreich

Das Verhältnis zwischen Israel und Österreich bleibt unsanierbar heikel. Das konnte man in den letzten Tagen wieder an zwei eigentlich unfassbaren Ereignissen sehen. Einerseits verweigert Israel jedwede Entschädigung für die Tötung des österreichischen UN-Majors Lang während des letzten Libanonkrieges - obwohl es zugegeben hat, die alleinige Schuld an dem Angriff auf die UNO-Beobachter zu tragen. Andererseits ist die Erregung in Israel (und anderswo) voll verständlich, dass die Gemeinde Wien noch immer jüdische Gräber skandalös verwahrlosen lässt und diese nun von US-Marines saniert werden mussten - obwohl das Friedhofs-Thema alle paar Jahre öffentlich aufgegriffen wird.

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Verständnislos blickt man aber auch auf die jüngsten Wendungen im Nahen Osten. Israel und der Westen setzen ganz auf den Präsidenten Abbas und versuchen, die radikale Hamas zu Tode zu isolieren. Aber auch wer Null Sympathie für die Hamas, ihre Terrorstrategie und ihren menschenverachtenden Islamismus hat, muss zugeben, dass sie aus den vom Westen verlangten Wahlen als Sieger hervorgegangen ist. Gegen die westliche Strategie spricht aber noch viel mehr die Tatsache, dass solche Isolations-Strategien fast nie funktionieren - und wenn, dann nur unter Mithilfe aller Akteure und mit jahrzehntelanger Hartnäckigkeit.

Ganz sicher aber kann sie nicht Erfolg haben, wenn man dem erklärtermaßen bevorzugten Abbas jetzt keine ernsthaften und zielführenden Angebote macht. Wenn Israel von vornherein sagt, es sei zwar bereit, über dieses oder jenes zu reden - klar definierte Grenzen eines Palästinenserstaates seien aber auf keinen Fall ein Thema, macht es in Wahrheit nur eines: Werbung für die Hamas.

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Giganten wie MOL und OMV ringen auf offener Bühne um die Macht. Das ist alles andere als ein bloßes Sommertheater. Die Ungarn kämpfen mit allen unsauberen Tricks - haben aber auch ein seriöses Argument:
Kann es wirklich das Ziel der vom Westen empfohlenen Privatisierung sein, wenn ihr Ölmonopolist am Ende von einem österreichischen Monopolisten geschluckt wird, der unter Staatseinfluss steht und bei dem noch in den 90er Jahren ein Bundeskanzler Vorstandsposten besetzt hat?

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