Andreas Unterbergers Tagebuch

Was war die Frage? Was war die Frage?

Wien (OTS) - Was war die Frage?

Bei jeder Studie kommt so viel Ideologie heraus, wie zuvor hineingeschüttet wird. Antworten hängen immer von der Fragestellung ab. Und davon, was nicht gefragt wird. Das lässt sich am neuen OECD-Bericht exemplarisch ablesen.

Wer fragt: "Ist es gut, dass in Österreich Arbeit hoch und Vermögen niedrig besteuert wird?", der kann nur zur OECD-Antwort kommen: Nein. Eine viel präzisere Frage würde hingegen lauten: "Wären die Einnahmen insgesamt höher, wenn Österreich Vermögen mehr besteuert als jetzt?" In diesem Fall wäre die Antwort jedoch: "Sie wären deutlich niedriger." Denn nichts flüchtet rascher aus dem Land als Geld und Wertsachen. Umgekehrt hat Österreich ja einst von Vermögen profitiert, die durch Steuersenkungen angezogen wurden.

Hingegen hat die OECD in Hinblick auf Immobilien recht: Bei Grund und Boden brächten höhere Tarife tatsächlich mehr Steuern. Das spricht indirekt auch der Verfassungsgerichtshof an, wenn er die viel zu niedrigen Einheitswerte für verfassungswidrig erklärt. Deren Erhöhung würde freilich Proteste der Häusl- und echten Bauern auslösen, wovor alle Politiker zittern - ungeachtet der hässlichen (aber durch die Wohnbauförderung sogar zusätzlich ermutigten!) Verhüttelung der Landschaft.

Nicht gefragt hat die OECD aber auch: "Kann sich Österreich ein Wohlfahrtssystem mit einer Steuerquote von über 40 Prozent überhaupt leisten, wenn es im Wettbewerb mit Ländern steht, deren Quote weniger als 30 Prozent beträgt?"

Getadelt wird von der OECD außerdem, dass unsere Mütter relativ lange bei den Kindern bleiben. Was sie nur kann, weil sie die zentrale Frage ausklammert: "Ist es nicht die beste Zukunftsinvestition, künftige Steuerzahler so zu erziehen, dass sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit stabile und leistungsfähige Menschen werden, die gegenüber Süchten aller Art widerstandsfähig sind?" Wer so fragt, wird die Kindererziehung (auch als Ökonom!) hochschätzen müssen und wird sie nicht als Vergeudung von Arbeitskraft verurteilen können.

Ebenso kann man nur dann die zwangsweise Gesamtschule fordern, wenn man sich so wie die OECD auf die Frage reduziert, wie man den Immigrantenkindern am besten hilft - der Ausbildung der anderen aber keine Bedeutung gibt.

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