DER STANDARD-Kommentar "Kopf im Sand"

von Andreas Schnauder

Wien (OTS) - Die Diskussion um den Fachkräftemangel und - weit wichtiger - die Rezepte dagegen kommt in Fahrt. Reichlich spät. Eine Allianz aus ausländerfeindlicher Rechten und um Jobs und Lohnniveau bangenden Linken hat es bisher geschafft, eine offensive Strategie zu verhindern. Wohl wissend, dass der Fachkräftemangel keine Erfindung der bösen Betriebe ist. Denen kann man allerlei vorwerfen, nicht zuletzt die mangelnde Ausbildung qualifizierten Personals - doch das hilft jetzt auch nichts. Ein zukunftsorientierter Ansatz muss die Problematik nun von zwei Seiten in den Griff bekommen: einerseits das virulente Bildungsdefizit beseitigen, das weit reichende Reformen im Schul- und Lehrlingssystem erfordert; andererseits stellt sich die Frage der Zuwanderung neu - auch, aber nicht nur wegen des Fachkräftemangels.
Mit der jetzigen Vogel-Strauß-Politik verschärft sich die Situation zusehends. Die dringend benötigten Facharbeiter sind längst in Staaten mit hinsichtlich der Einwanderungspolitik liberaleren Systemen, beispielsweise nach Großbritannien, abgewandert. Und in Tschechien, der Slowakei, in Polen und selbst in Bulgarien und Rumänien haben die Regierungen Rückholprogramme für Emigranten ins Leben gerufen, weil der Mangel längst auf diese Länder übergeschwappt ist. Jetzt noch groß auf den Zuzug qualifizierter Leute zu hoffen, ist reichlich naiv. Ähnlich wie die Öffnung der österreichischen Grenzen für 800 Facharbeiter in Metallberufen.
Doch selbst jetzt scheint die Regierung die Situation immer noch verkennen. Der Wirtschaftsminister will die Mauern noch fast zwei Jahre stehen lassen. Dass selbst der rote AMS-Chef Herbert Buchinger nicht so lange warten will und ein sofortiges Handeln einmahnt, spricht Bände.

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