"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Löcher graben und Löcher stopfen"

Nicht nur die Finanzierung des Brennertunnels hängt noch völlig in der Luft.

Wien (OTS) - Wenigstens eine Milliarde Euro muss aus dem Budget in die Finanzierung des Brenner-Bahntunnels fließen, in den Planungen gibt es dafür keinerlei Vorsorgen. Nun, eine Milliarde ist kein Lercherl, und selbst wenn erst in fünf Jahren mit dem Bau begonnen wird, wäre es nicht schlecht, jetzt mit der Dotierung dieser enormen Summe zu beginnen.
Aber das ist nicht das einzige Loch, das zu stopfen ist, nur weil die Bahn Löcher durch Berge gräbt. Das zweite Loch ist ein umfassendes Verkehrskonzept: Ohne flächendeckende Lkw-Maut wird es nicht gehen, die Straßenbenützung muss einfach teurer werden. Ob die EU diesen Weg mitgeht, ist nicht ausgemacht.
Und das dritte zu stopfende Loch ist die Bahn selbst: Sie muss mit ihrem Güterverkehr noch schneller werden und den von Warenlieferungen abhängigen Firmen umfassende Lösungen anbieten. Der Börsegang der "Rail Cargo", wie die Güterverkehrsgesellschaft der ÖBB heißt, könnte ein möglicher Schritt zu mehr Effizienz und Flexibilität im Unternehmen sein - muss aber nicht. Mehr Wettbewerb beim Gütertransport auf der Schiene wäre ein anderer oder ergänzender Weg.
Erst wenn diese Punkte gelöst sind, kann mit dem Bau begonnen werden. Denn ein teures Loch durch die Alpen zu graben und anschließend nicht exakt zu wissen, wer es nutzen oder wie es ordentlich vermarktet wird, wäre sinnlos. Löcher gibt es in der heimischen Verkehrspolitik auch so noch genug.

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