Neue Ausgabe der "Spurensuche"

Magazin des Österreichischen Volkshochschularchivs erschienen

Wien (OTS) - Die Beschäftigung mit Geschichte erzeugt manchmal -quasi als Nebenprodukt - ungewollt seltsame Zusammenhänge und Nachbarschaften, die vielleicht etwas vordergründig scheinen, aber dennoch nicht eines gewissen Reizes entbehren und manchmal sogar neue Perspektiven eröffnen und zu neuen Themenstellungen führen. Im vorliegenden Fall ging das so: Auf der Suche nach einem aussagekräftigen Coverbild für eine geplante Schwerpunktausgabe zu "Bildung - Demokratie - Politik" fiel der Redaktion eine Aufnahme des Poseidontempels auf Kap Sounion in die Hände. Heureka! Antike, Ursprung von Demokratie und abendländischer Bildung, philosophisch geschulte politische Streit- und Diskussionskultur, Sonnenuntergang... Von hier stürzte sich der griechischen Sage nach der athenische König Aegaeos ins Meer (daher der Name Ägäis), da sein Sohn Theseus - im Schmerz über die erzwungene (?) Trennung von Ariadne -, anders als vereinbart, von Kreta nicht mit weißen, sondern mit schwarzen Segeln heimgekehrt war, und damit irrtümlich seinen Tod signalisierte. Nun trägt das interne Datenbankprogramm des Österreichischen Volkshochschularchivs seit langem den Namen »Theseus«, weniger wegen dessen Sieg über den Minotaurus, als vielmehr in Anerkennung seiner Leistung, aus dem von Daedalus konstruierten Labyrinth wieder herausgefunden zu haben (freilich mit Hilfe des Fadens der Ariadne, aber ihr Name war zum damaligen Zeitpunkt leider bereits vergeben...). Wie eine Recherche in »Theseus« rasch zeigte, ist die Auseinandersetzung mit der Erwachsenenbildung zur Zeit der Antike Desiderat der Forschung. Was lag also näher, einen Aspekt, der selbst in der allgemeinen Geschichte bisher eher marginalisiert wurde, nämlich die Sophistik, näher zu untersuchen und den thematischen Bogen dieser Schwerpunktausgabe somit immerhin über 2500 Jahre zu spannen? Dass Bildung und Wissen allgemein lehrbar sind - freilich gegen Geld -wurde von den Sophisten ebenso historisch erstmals vorgelebt wie die Möglichkeit, innerhalb einer demokratisch organisierten Polis herkömmlichen Streit in friedvoller Art zu kultivieren. Wie der Philosoph Rüdiger Bubner jüngst hervorstrich, bedeutete die von den Sophisten entwickelte diskursive Streitkultur (Eristik) als "sprachlich basierte und rhetorisch gehegte Interaktionsform" das genaue Gegenteil des "Aufeinanderschlagens der Schwerter", des "Ziehens des Gewehrhahns" oder des "Abwerfens der Bombe". Dass eine verstärkte Auseinandersetzung mit Politischer Bildung angesichts der seit 2. Mai 2007 beschlossenen Wahlrechstreform, wodurch das aktive Wahlrecht auf 16 Jahre und das passive auf 18 Jahre herabgesetzt wurde, nicht nur generell notwendig ist, sondern auch für die Erwachsenenbildung eine besondere Herausforderung darstellt, scheint evident. Vielleicht gibt die vorliegende Ausgabe der Spurensuche einige Anstöße dazu.

o Bildung - Politik - Demokratie" 186 Seiten, illustriert, Preis: 15,5 Euro (exklusive Versandkosten) Bestellungen unter: office@vhs-archiv.at oder Tel.: +43-1-25 91 862 bzw. Fax: +43-1-25 91 862-15

(Schluss) vhs

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Eva Lukas
Verband Wiener Volksbildung
Tel.: 89 174/42
E-Mail: eva.lukas@vwv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0006