ÖVP-Perspektivengruppe - Marek: Kombination der Stärken von Frauen und Männern ist optimal

Spannende Diskussion rund um „Rollenbilder und –klischees“

Wien, 10. Juli 2007 (ÖVP-PD) „Die Unterschiedlichkeit von Frauen und Männern ist etwas Positives. Wenn wir die Stärken von beiden kombinieren, ist das optimal“, so Staatssekretärin Christine Marek, die gestern Abend als Leiterin der Perspektivengruppe „Frauen“ zu einer Diskussion unter dem Motto "Was ist eine 'gute' Frau - Was ist ein 'guter' Mann? - Rollenbilder und -klischees"
lud. In der Wiener Ottakringer Brauerei – „einer für Frauen untypischen Location“ - diskutierte sie mit Christine Bauer-Jelinek, Wirtschaftscoach, Machtexpertin und Bestsellerautorin
sowie Conrad Seidl, Journalist und „Bierpapst“. Letzterer war es auch, der an der Bar den zahlreich erschienenen Gästen , darunter Frauenministerin a.D. Maria Rauch-Kallat, weibliche und männliche Geschmackserlebnisse beim Bier näher brachte. ****

„50 Prozent der jungen Frauen entscheiden sich nach wie vor für den Beruf der Einzelhandels-, Bürokauffrau oder Friseurin – obwohl es beinahe 300 Lehrberufe und viele andere Ausbildungswege gibt“, so Staatssekretärin Marek zu Beginn der Diskussion. Auf der anderen Seite gebe es beispielsweise bei sozial-pädagogischen Berufen einen sehr geringen Männeranteil – „hier bräuchten wir aber dringend mehr Männer. Wichtig sind eben die Rollenbilder in den Köpfen.“ Marek, die sich insbesondere über den „hohen Männeranteil“ im Publikum freute, betonte weiters, dass es aus Sicht der Politik wichtig sei, am Schließen der Einkommensschere zu arbeiten.

Bestandteil der Diskussion war erwartungsgemäß auch die Rollenverteilung unter Müttern und Vätern. Dazu berichtete die Staatssekretärin von einem Gespräch mit jungen Frauen, in dem sie die Frage aufwarf, welche Frau möchte, dass ihr Mann zuhause bei den Kindern bleibt. Ergebnis: Nur eine konnte es sich vorstellen. „Wir müssen den Männern mehr zutrauen. Sie machen es nicht besser oder schlechter, sondern anders“, so Marek. Wichtig sei auch, die „Lasten-Verteilung“ zu leben. „Wir können nicht Familie und Beruf allein auf die Schultern von Frauen legen – auch wenn sie es, wie wir wissen, schaffen. Die Politik hat hier auch die Aufgabe,
Impulse in Richtung einer gleichberechtigten Aufgabenteilung zu setzen “, betonte Marek. Gerne nahm sie den Satz eines Gastes aus der Diskussion mit: „Die Entscheidungen, die von Frauen und Männern gemeinsam getroffen werden, sind runder.“

Die Bestsellerautorin Christine Bauer-Jelinek stellte in ihrem Impulsreferat die Frage „warum wir im Jahr 2007 immer noch über Geschlechterrollen sprechen“. In den letzten 30 bis 40 Jahren haben sich die Rollen von Frau und Mann verändert, „viele Tabus wurden gebrochen – von der Musik bis zum Sport haben Frauen nun Zugang“, so Bauer-Jelinek. Dennoch gebe es Bereiche, in denen es nur „minimale Bewegung“ gibt. Bei der Beobachtung von Medien stelle man sich unweigerlich die Frage: „Ist die Macht männlich?“ Denn es gibt nach wie vor Entscheidungsgremien in der Wirtschaft, die männlich dominiert sind, auch Krieg und Militär sind immer noch männlich besetzt. Bis auf „wenige Ausnahmen“ habe sich in den letzten Jahren nichts geändert – „die Macht ist nach wie vor männlich“. Bauer-Jelinek sprach auch Klischees der Frauenmacht an: Macht der Mutter, Macht des Eros sowie die Macht des Beschützens, Umsorgens und Pflegens. Weiters zeigte sie Grenzen der neuen Machtverteilung auf:
Es gebe die „Gläserne Decke“ für Frauen und eine „Gläserne Wand“ für Männer wie bspw. die Männer-Karenz oder die volle Verantwortung im Haushalt. „Wir müssen die Geschlechterrollen und gängigen Ideologien hinterfragen.“

In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Themen aufgeworfen. „Rollenbilder haben sehr stark mit gesellschaftlicher Zuschreibung zu tun. Die Arbeitswelt hat diese traditionelle Rollenzuschreibung noch nicht ganz durchbrochen“, kritisierte ein weiblicher Gast und plädierte für „eine Arbeitswelt in Phasen“ mit „Reinhackelphasen“ und „Familienphasen“. „Das würde helfen, die beinharte Trennung zwischen Familie und Beruf zu mildern.“ Eine junge Diskutantin plädierte dafür, „Müttern, die zuhause bleiben wollen, die verdiente Wertschätzung entgegen zu bringen“. Auch einer weiteren Diskutantin ging ab, dass Frauen/Müttern und Männern/Vätern nicht zugestanden wird, „dort zu sein, wo sie sein wollen“. Der Journalist Conrad Seidl meinte, das „wir zum Teil übersehen, dass es durchaus ganz bürgerliche Werte und Lebensbilder gibt, die auch wichtig sind. Es gibt den Wunsch, eingebunden zu
sein und die Selbstverwirklichung in der Ehe und Familie zu finden.“

Eine Anwältin und dreifache Mutter konstatierte, dass sich in den letzten 30 Jahren aus Sicht der Frauen am Arbeitsmarkt bereits einiges positiv verändert habe. Ähnlich der Journalist Conrad Seidl: „Heute sind viel mehr Frauen in qualifizierten Berufen und hohen Positionen.“ Er sieht darin aber auch eine weitere Herausforderung auf uns zukommen: „In naher Zukunft wird es viele unterqualifizierte Männer geben, die keine Partnerinnen mehr finden. Da kommen massive Probleme auf uns zu.“ Seidl kritisierte, dass „ein Mann heute kaum mehr eine vierköpfige Familie alleine erhalten kann. Es gab aber eine Zeit, in der ein Busfahrer mit seinem Job für seine Familie sorgen, den Kindern eine gute Ausbildung zahlen und den Urlaub finanzieren konnte – das ist heute nicht mehr möglich.“

Abschließend überreichte Staatssekretärin Marek ihren beiden Podiumsgästen ein kleines Dankeschön: Ganz im Sinne des Abends bekam Christine Bauer-Jelinek eine Flasche Schnaps und für Conrad Seidl gab es Blumen.

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