Pädagogen, wie wir sie wirklich brauchen

"Presse"-Leitartikel von Michael Prüller:

Wien (OTS) - Schule: Der Mangel an Wettbewerb begünstigt die schlechten Lehrer und sorgt für ebensolchen Nachwuchs.

Gestern ist mit dem Ferienbeginn im Westen das Schuljahr endgültig zu Ende gegangen. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um einmal für die Pädagogen, die wirklichen, eine Lanze zu brechen.
Unsere Lehrer sind nämlich besser als ihr Ruf. Was sie bei den immer unterschiedlicheren und immer weniger erzogenen Kindern leisten, ist enorm. Viele engagieren sich weit über 40 Stunden die Woche hinaus für ihre Schüler, bilden sich fort, unternehmen große didaktische Anstrengungen, um effizienter und nachhaltiger Wissen in den jungen Köpfen zu verankern. Viele zeigen vor, was Haltung ist - bis hin, auch das hat es schon gegeben, zum Einsatz des eigenen Lebens für den Schutz der ihnen Anvertrauten. Die vielen innovativen, interessierten, initiativen Pädagogen widerlegen täglich aufs Neue die Ansicht, dass Beamte prinzipiell nur zum Dienst nach Vorschrift fähig seien, weil ihnen die Peitsche des Wettbewerbs fehlte.
Unsere Lehrer sind aber auch so schlecht wie ihr Ruf. Viele haben angesichts der pädagogischen Herausforderungen die Segel gestrichen und betrachten es nunmehr als ihr oberstes Berufsziel, die Klasse bis zur Pausenglocke ruhig zu halten. Viele sind uninteressiert an besonderen Begabungen ihrer Schüler - das hält nur auf. Viele hätten nie Pädagogen werden dürfen bzw. müssten erst einmal sich selbst erziehen. Viele haben seit ihrem Studium nichts mehr gelernt und haben das auch nicht mehr vor. Die gelangweilten und langweilig gewordenen, lernunwilligen, unflexiblen und geisttötenden 7.45-bis-13.00-Uhr-zehn-Monate-im-Jahr-und-sonst-nichts-Lehrer bestätigen täglich aufs Neue die Ansicht, dass Beamte prinzipiell nur zum Dienst nach Vorschrift fähig seien, weil ihnen die Peitsche des Wettbewerbs fehlte.
In Wirklichkeit ist es nämlich so: Ein hohes Berufsethos vermag viel von dem zu ersetzen, was sonst der Wettbewerb schafft, damit jemand seinen Beruf ernst nimmt und sein Bestes gibt. Aber nicht bei allen. Daher braucht das Schulwesen mehr Elemente des Wettbewerbs. Etwa eine jährliche Leistungsmessung aller Schulen. Am einfachsten mit einer "Zentralmatura": Jeder Maturant bekommt dieselben Aufgaben, benotet wird nach streng genormten Kriterien. Dadurch wird transparent, welche Schule ihre Schüler wie gut vorbereitet hat. Und man kann im Lauf der Zeit feststellen, welche Direktoren ihre Schulen zu immer besseren Leistungen führen und unter welchen das Haus absandelt. Ähnlich wäre etwa ein "nationaler Pisa-Test", bei dem jährlich der Stand zumindest eines Teils der Schulen überprüft wird (stets natürlich nach Herausforderungen gewichtet - etwa dem Anteil an Migrantenkindern).
Das muss natürlich auch zu Konsequenzen führen können. Direktoren, die ihre Performance verbessern wollen, müssen die Möglichkeit haben, ihr Lehrpersonal mitbestimmen zu können - also Kündigungsrecht bzw. echte Mitsprache bei der Einstellung. Noch effizienter könnte sein, mit Anreizen zu arbeiten. Was wäre, wenn Schulen, die in den Tests besonders gut abschneiden oder sich signifikant verbessern, eine ordentliche Prämie erhielten - auszahlbar an Direktorium und Lehrer? Auch Eltern sollten Konsequenzen ziehen dürfen: Warum nicht also mehr Freiheit etwa bei der Volksschulauswahl?
So etwas hätte doppelten Effekt: Die einzelnen Lehrer sind motivierter - und der Berufsstand als solcher wird attraktiver. Attraktiv ist er ja auch schon heute, aber vor allem für Leute, die viel Ferien und kurze Arbeitszeiten wollen, und eine Invalidenpension mit 50. Ein Berufsbild, bei dem Leistung, Können und Initiative sich auch auf das Gehalt niederschlagen, würde andere Persönlichkeiten ansprechen.
Bitte nicht gleich aufschreien von wegen "Kommerzialisierung" der Schule! Die Schönheit dieser Maßnahmen liegt ja gerade darin, dass die guten, bemühten Pädagogen aufgewertet werden und die schlechten verlieren - die Ödbolzen genauso wie die Geldgierigen. Und ein wirklich guter Lehrer, der wirklich gut verdient, ist für das Ansehen seines Standes, damit auch für die Moral seiner Kollegen und für die Qualität seiner Nachfolger ein Gewinn.

Wenn man keine Angst vor der Lehrergewerkschaft hat, kann man solche Maßnahmen schnell umsetzen. Sie könnten den Unterricht schon verbessern, lange bevor der erste komplizierte Gesamtschul-Schulversuch überhaupt so richtig angelaufen ist - und sie brächten positive Ergebnisse, egal wie diese Schulversuche ausgehen werden. Den Politikern möchten wir daher folgende Aufgabe in die großen Ferien mitgeben: Betrachte die Wortfelder "Motivation", "Anreiz" und "Wettbewerb" und überlege, was Schulpolitik damit zu tun haben könnte.

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