Andreas Unterbergers Tagebuch

Liebe GästInnen

Wien (OTS) - Liebe GästInnen

Manche Statistiken werden von den Betroffenen gar nicht gern gesehen. So etwa jene über die österreichische Filmförderung. Diese macht nämlich gewaltige 37 Millionen Euro aus. Jährlich. Von den in österreichischen Kinos verkauften Eintrittskarten dienen aber nicht einmal drei(!) Prozent dem Besuch hierzulande produzierter Filme.

Die Filmemacher trösten sich zweifach: Zum einen brüsten sie sich mit Preisen bei cineastischen Festivals (So wie einst Claus Peymann den Exodus der Zuschauer mit dem Lob durch das deutsche Feuilleton kompensiert hat). Zum anderen wollen sie - noch mehr Geld. Vielleicht um damit dann den ultimativen Film zu drehen: "Die Chuzpe".

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Nun haben wir ihn endlich auch: den Mindestlohn. Er wird nicht allzu vielen Schaden anrichten, weil er relativ niedrig angesetzt worden ist, weil wir den größten Konjunkturboom seit langem erleben, und weil die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Daher wird es vorerst nur eher selten passieren, dass Arbeitgeber auf die Anstellung neuer Mitarbeiter verzichten, weil diese zu teuer geworden sind.

Bestürzt muss etwas anderes machen: Dass Politiker, Sozialpartner-Chefs oder Exponenten des einst renommierten Wifo in ihren Äußerungen den prinzipiellen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Mindestlöhnen nicht begreifen, wiewohl von Deutschland bis Frankreich Wirtschaftsforscher längst die direkte Schuld hoher Mindestlöhne an einer zu großen Arbeitslosigkeit nachgewiesen haben.

Vielleicht sollte man jene heimischen "Experten" alle in eine verpflichtende Vorschule des wirtschaftlichen ABCs schicken, damit sie wenigstens künftig auf den jeder Lebenserfahrung widersprechenden Satz verzichten: "Wenn die Mindestlöhne höher sind, wird der Anreiz zum Pfuschen geringer."

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Was auch immer der "Wiener Dachverband für sozial-ökonomische Einrichtungen" sein mag: Er hat es jedenfalls geschafft, etwas zur Wirklichkeit zu machen, was bisher als maßlos übertreibender Scherz abzutun war. Er hat nämlich als erster in vollem Ernst die Wortprägung "GästInnen" verwendet. Den MitgliederInnen des/der VerbandIn gebührt dafür der/die große blecherne SprachordIn.

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