Regen lässt die EU um Weizenqualität bangen und treibt Preis

Noch kein Problem in Österreich - Gerste: 60% höhere Erstnotierung als 2006 legt Preislatte

Wien/Paris/Brüssel/Chicago/ (AIZ) - Interventionsfähige Futtergerste setzte diese Woche mit der ersten Notierung von Getreide aus der neuen Ernte 2007 an der Wiener Produktenbörse eine Marke: Das Preisband zwischen EUR 148,- und 152,- netto pro t Großhandelsabgabepreis liegt um satte 60% über der Erstnotierung von Futtergerste im Jahr 2006 mit EUR 92,- bis 96,- pro t. Übrigens kam die Erstnotierung heuer wegen des Vegetationsfortschrittes auch um eine Woche früher zustande als im Vorjahr. Prompt befestigte sich auch Futtermais alter Ernte an der Wiener Börse auf das Preisband der neu notierten Gerste. Damit hält Futtergetreide nun praktisch ein einheitliches Preisniveau. International halten zurzeit eher wegen Regens in Westeuropa und im US-Wheat Belt zunehmend Qualitätsbedenken die Notierungen sehr hoch, als die Sorge um dürrebedingte Ernteausfälle in Osteuropa. Dennoch sanken ausgehend von der Chicagoer Warenterminbörse CBOT die Notierungen im Wochenabstand leicht, um gegen Ende der Woche wieder steil anzuziehen.

In Übersee streiften die Spekulanten mit massiven Verkäufen ihrer Weizen- und Maisfutures jetzt die Gewinne aus der Preisrallye der vergangenen Wochen ein. Doch schloss nach den Kursverlusten der letzten Tage beispielsweise Chicago am Donnerstag prompt wieder mit steilen Gewinnen beim Weizen, weil sich neuerlich die Bullen-Stimmung durchsetzte. An den US-Börsen beruhigte sich nach den Spekulationsverkäufen bis zum Donnerstag dieser Woche der Preis von soft red winter im Wochenabstand von USD 224,83 (EUR 165,21) pro t fob Golf auf USD 218,02 (EUR 160,41) pro t. Hard red winter gab in diesem Zeitraum um USD 2,- (EUR 1,47) pro t nach. Zudem sank zuletzt auch der für die Preisparität zwischen überseeischem "Dollar-Weizen" und Weizen in der EU mitbestimmende Kurs des US-Dollars wiederum auf EUR 0,74 bis Freitag dieser Woche.

MATIF folgte Chicago - Regen zur Ernte sorgt wieder für Anstieg -starke physische Preise

Die Pariser EU-Leitbörse MATIF folgte zu Beginn der Woche der Abschwächung der Kurse in den USA, um in deren Gefolge aber gegen Ende der Woche wieder steil anzusteigen. Der für die neue Ernte bestimmende November-Future an der MATIF schloss am Donnerstag gegenüber dem Vortag mit EUR 180,25 pro t um EUR 1,75 höher, erreichte aber noch nicht die EUR 184,50 pro t vom Freitag vergangener Woche.

In Frankreich unterbrach der Regen diese Woche die schon angelaufene Weizenernte. Neben den auf 35 Mio. t laut dem französischen Getreideamt ONIGC hinab revidierten Ertragserwartungen beginnt nun das Zittern um Qualitätsverlust durch Auswuchs und verringerte Fallzahl. Diese Befürchtungen hegen auch die deutschen Landwirte, die zwar noch kurz vor der Weizenernte stehen, denen der Regen aber auch zu schaffen macht. Die Gerstenernte steht zurzeit in Deutschland sogar großflächig. Die jüngsten Qualitätsbefürchtungen führen nun zu einer stärkeren Differenzierung der Weizenpreise mit wachsenden Qualitätsaufschlägen für mahlfähige Ware. Mahlfähiger Weizen zog in Deutschland am physischen Markt in den letzten Tagen deutlich auf EUR 190,- pro t und mehr an.

Österreich: Regen beeinträchtigte Ernte bisher noch nicht

Immer wieder vereinzelt eingetretene Niederschläge in der abgelaufenen Woche verzögern in Österreich zwar den Fortschritt der sonst rekordverdächtig zeitigen Ernte, beeinträchtigten aber bis dato noch nicht die Qualität.

Die ersten Druschergebnisse beim Weizen im Trockengebiet Ostösterreichs liefern ähnlich wie bei der Gerste das Bild einer breiten Streuung der Erträge zwischen 3.000 und 5.000 kg pro ha. Jedenfalls sind sich Experten zunehmend einig darin, dass die österreichische Weichweizenernte 2007 trotz leichter Ausdehnung der Anbaufläche die Vorjahresmarke von 1,329 Mio. t nicht erreichen wird. Ebenso weit gestreut scheinen auch die Proteinwerte der ersten Druschversuche zu sein, wobei von 11 bis 17% und einem Durchschnitt von rund 14,3% die Rede ist. Damit könnte sich auch in Österreich wie in der EU heuer eine stärkere Qualitätsdifferenzierung beim Weizenpreis als aus den zuletzt ziemlich einheitlich im Premiumsegment ausgefallenen Weizenernten anbahnen.

Pflanzenbauer erklären die Streuung der Proteinwerte damit, dass bei entsprechendem Ausbleiben des Niederschlags der Stickstoff im Boden nicht nur nicht ertragswirksam geworden sei, sondern auch nicht für die Proteineinlagerung genutzt werden konnte. Mit demselben Phänomen erklären sie damit wiederum bei der Braugerste die oft niedriger als angesichts der geringen Erträge befürchtet ausfallenden Proteinwerte.

Nach wie vor breit gestreut sind auch die Hektarerträge beim Wintergerstendrusch zwischen mageren 3.000 kg in manchen von der Frühjahrsdürre oder später von Hagelschlag besonders arg heimgesuchten Regionen im Trockengebiet des Ostens und mit 5.000 kg im Durchschnitt in Ostösterreich bis zu 10.000 kg in der niederschlagsreicheren Westbahnregion.
(Schluss) mö/pos/pom

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