"Presse"-Kommentar: Das Schicksal der "Banca Austria" (von Josef Urschitz)

Ausgabe vom 5. Juli 2007

Wien (OTS) - Man sollte sich von der Illusion trennen, dass es Fusionen mit Headquarter-Garantie gibt.
Die größte österreichische Bank hat also in ihren früheren Hauptgeschäftsbereichen - den Geschäften mit österreichischen Firmen-und Privatkunden - nicht mehr viel zu reden. Sie ist nur noch eines der drei "Haupt-Vertriebsnetzwerke" der in Mailand angesiedelten Retail-Sparte (Privat- und Gewerbekunden) beziehungsweise der in München domizilierten Corporate-Division für Groß-Firmenkunden der italienischen UniCredit-Gruppe. Aus der BA-CA wird sozusagen eine von Italien aus gesteuerte "Banca Austria".
sDas hört sich dramatisch an, ist es aber nicht: Die BA-CA ist an die deutsche HVB verkauft worden, diese wiederum an die UniCredit, und die fusioniert jetzt mit der Capitalia zur drittgrößten europäischen Bankengruppe. Fusionen ergeben nur Sinn, wenn das in ihnen schlummernde Synergiepotenzial gehoben wird. Das bedeutet Bündelung der Kräfte, Konzentration der Entscheidungsprozesse, länder- und konzernübergreifende Strukturen. Wenn die fusionierten Unternehmen weiter parallel vor sich hin wirtschaften, dann erleiden sie ein DaimlerChrysler-Schicksal.
So gesehen ist das, was jetzt in der UniCredit-Gruppe gerade durchgezogen wird, aus regionalpolitischer Sicht bedauerlich, aber nicht unüblich. Als Böhler den Konkurrenten Uddeholm geschluckt hat, sind auch Kompetenzen von Schweden nach Österreich gewandert, und nicht umgekehrt. Man kann jetzt, je nach Sichtweise, bedauern, dass Strategien und Produkte für das österreichische Privat- und Firmenkundengeschäft künftig den Segen aus dem fernen Mailand brauchen. Oder sich freuen, dass die Hausbank jetzt Teil eines europäischen Top-Players ist und entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellen kann.
Aber man sollte sich von den romantischen Vorstellungen trennen, die sich hierzulande noch um Firmenübernahmen ranken. Beispielsweise vom netten Märchen über "Headquarter-Garantien", das derzeit gerade Kärntner Politiker im Zusammenhang mit dem Verkauf ihrer Hypo an die Bayerische Landesbank so gerne erzählen. Und das eine nicht geringe Anzahl ihrer Wähler auch zu glauben bereit ist.
Darf man dazu (auch anhand des BA-CA-Beispiels) anmerken: Im Wirtschaftsleben ist es so, dass ein Mehrheitseigentümer seine Eigentümerrechte auch ausübt. Ob das den vorherigen Eigentümern nun passt oder nicht. Eine "Headquarter-Garantie" kann sich also zwar darauf beziehen, dass das frühere "Hauptquartier" als Gebäude bestehen bleibt und darin auch eine Gruppe werkt, die "Vorstand" genannt wird. Aber anschaffen tut der Besitzer der Aktienmehrheit. Im günstigsten Fall werden - wie bei der BA-CA - Top-Manager des übernommenen Unternehmens in die Spitzengremium des Übernehmers gehievt und können dort konzernweite Entscheidungen mitgestalten. Aber zu glauben, dass es Besitzerwechsel gibt, bei denen alles beim Alten bleibt, ist eine Illusion.
Und damit sind wir bei der grundsätzlichen Problematik von grenzübersschreitenden Bankübernahmen: Geldinstitute sind als Finanzdistributoren zentrale Institutionen einer Volkswirtschaft. Wenn sie vollständig von fernen Zentralen gesteuert werden, denen regionale Marktnähe fehlt, dann kann das zum Problem werden.
In Österreich ist es das noch nicht: Die beiden früheren "roten" Großbanken BA-CA und Bawag sind zwar vollständig in ausländischer Hand, die Hypo Alpe Adria ist teilweise an Bayern verkauft. Bei anderen Großinstituten wie etwa der Erste Bank oder Raiffeisen ist das aber definitiv nicht der Fall.
Und es gibt auch keinen Grund, da jetzt hysterisch zu werden und irgendwelche Hürden aufzurichten. Denn grenzüberschreitende Übernahmen sind keine Einbahnstraße. Gerade die österreichischen Banken haben die Finanzwirtschaft Osteuropas ja sozusagen "volley" übernommen. Dass die Kompetenz, die der BA-CA wirklich geblieben ist, die für die osteuropäischen Länder (außer Polen) ist, spricht da Bände. Man kann nicht die Kontrolle über das Bankgeschäft von mehr als einem Dutzend Länder an sich ziehen - und dann jammern, dass ein Teil der Kontrolle über den eigenen Markt an andere geht.
Die BA-CA spielt - man muss sich nur die Bilanzen ansehen - im UniCredit-Konzern keine so schlechte Rolle, auch wenn sie klarerweise nicht mehr die alte Bewegungsfreiheit hat. Aber ob der speziell von der Wiener SPÖ gefeierte Verkauf an die HVB regionalwirtschaftlich gesehen wirklich so toller Erfolg war, sollte man wohl ernsthaft hinterfragen.

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