PRÖLL: Noch intensiver Diskussionsbedarf bei Vorschlag zur EU -Weinmarktreform

Wien (OTS) - Mit Kommissarin Fischer-Boel bin ich grundsätzlich darüber einig, dass die Notwendigkeit besteht, den europäischen Weinmarkt zu reformieren, insbesondere zur Abschaffung der derzeitigen Instrumente für die Beseitigung der Weinüberschüsse wie z.B. Destillationsaktionen oder Förderung der Lagerhaltung von Wein. Der heute vorgestellte Vorschlag zur Reform der Weinmarktordnung enthält einige gute Ansätze. Insgesamt besteht aber noch intensiver Diskussionsbedarf, damit die Reform auch zu einer Stärkung des europäischen Weinsektors führt. Das erklärte Landwirtschaftsminister Josef Pröll heute anlässlich der Vorstellung des Verordnungsvorschlages zur Reform der Gemeinsamen Marktordnung Wein durch die Europäische Kommission.

Der Nationale Finanzrahmen (das alleinige Mitspracherecht der Mitgliedstaaten über die Verwendung der Budgetmittel) wird begrüßt und vorwiegend positiv gesehen. Das Maßnahmenbündel im Nationalen Finanzrahmen enthält positive Elemente wie z.B. die Umstellungsförderung oder die Absatzförderung auf Drittlandsmärkten. Die Absatzförderung ist jedoch mit 120 Millionen Euro jährlich in Anbetracht der großen neuen Märkte wie China, Russland oder den asiatischen Markt viel zu gering dotiert. Daneben ist aber auch die Grünernte vorgesehen, also eine "klassisch" passive Maßnahme im Stile der bisherigen Destillationen, welche sicher nicht zur längerfristigen Marktbereinigung beitragen kann, sondern eher wieder einen Produktionsanreiz darstellen wird. Die Umstellungsförderung, die zur Anlage moderner, leistungsfähiger Weingärten in Österreich geführt hat, hat sich sehr positiv auf die Absatzchancen der Betriebe in Österreich ausgewirkt. Deshalb sollte die Umstellungsförderung zukünftig auch Maßnahmen beinhalten, die über Tätigkeiten im Weingarten hinausgehen, z.B. Investitionen in eine moderne Kellertechnik.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission zielt in seiner Gesamtheit auf eine Industrialisierung des europäischen Weinsektors nach dem Vorbild der Neuen Welt ab. Diesen Weg wollen wir jedoch nicht gehen. Aus österreichischer Sicht ist die Europäische Kommission mit ihren Liberalisierungstendenzen zu weit gegangen. Mit dem vorgeschlagenen Szenario bedroht sie die traditionelle europäische Weinherstellung mit ihrer Vielfalt der Herkünfte und begünstigt industrielle Massenweinproduktion austauschbaren Charakters.

Über die geplanten Rodungen haben sich alle weinproduzierenden Länder der EU sehr kritisch geäußert. Österreich sieht wie die Mehrzahl der Mitgliedstaaten keinen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen der Überschussproduktion und den gerodeten Flächen. Falls Rodungen unvermeidlich sind, fordern wir eine stärkere Einbindung des Mitgliedstaates in die Entscheidung über die Rodungen.

Die Eliminierung des Systems der Auspflanzrechte und somit die völlige Freigabe der Auspflanzungen ab 2013 (nach vorangegangener Rodung von 200.000 Hektar) ist aus unserer Sicht völlig kontraproduktiv. Dies würde in einem ersten Schritt einen Rückgang der Anbauflächen in den klassischen, für den Weinbau gut geeigneten, aber schwierig zu bearbeitenden Lagen (Hang oder Steillage wie etwa beim Terrassenweinbau in der Wachau) bringen. Nach der Freigabe des Auspflanzens 2013 würde ein Zuwachs der Fläche in leicht bearbeitbaren Lagen (Ebene) folgen. In Summe bedeutet das eine rückläufige Weinqualität und eine Abnahme der für Europa typischen Herkunftsvielfalt.

Die Etikettierungsvorschriften wurden bei der Reform 1999 geändert (Abschaffung des Verbotsprinzips), deshalb ist jetzt keine Änderung erforderlich. Vor allem die von der Europäischen Kommission geforderte Möglichkeit der Sorten- und Jahrgangsangaben auf Tafelweinen ist nicht zielführend und läuft der grundsätzlichen Politik der Stärkung von Qualitätsweinen diametral zuwider. Überdies schwächt die Unterteilung der Weine mit Herkunftsangaben in "geographischer Angabe" und "Angabe des Ursprungs" den bisherigen, klar geregelten Qualitätsweinbegriff der EU. Weine mit geographischer Angabe könnten attraktive Bezeichnungselemente führen und dennoch 15 Prozent Fremdanteil beinhalten.

Weiters spricht sich Österreich vehement gegen das Verbot der Saccharose aus: Das grundlegende Ziel der Reform ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Weine, mit dem Saccharoseverbot werden die Weine aber deutlich teurer. Das in der Diskussion verwendete Argument der Überschussproduktion greift zu kurz, da Überschussproduktion vor allem in den Regionen auftritt, welche den Wein nicht mit Saccharose anreichern.

Die geplante stärkere Anlehnung an die Regeln der Internationalen Weinorganisation OIV in der Frage der önologischen Praktiken wird grundsätzlich positiv gesehen, jedoch darf die Beibehaltung des typischen, herkunftsbezogenen europäischen Weincharakters dabei nicht außer Acht gelassen werden. Eine zu starke Internationalisierung der Weinherstellungsvorschriften birgt die Gefahr der Vereinheitlichung und somit den Verlust des typischen Charakters der europäischen Weine, so Pröll abschließend.

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