Schatz: Keine halben Sachen bei Gleichstellung

Neuer Sozialpartner-Kompromiss wieder zu Lasten der Arbeitnehmerinnen

Wien (OTS) - Potentielle NutnießerInnen des neuen Arbeitszeitgesetzes ("Arbeitszeitflexibilisierungspaket") sind auf Seite der ArbeitnehmerInnen nicht besonders viele: Männliche Singles im Hochlohnbereich, die keine familiären und sozialen Verpflichtungen haben oder diese an ihre PartnerInnen auslagern können. In der gängigen, oft undifferenzierten Begeisterung zur Flexibilisierung geraten jene außer acht, deren Arbeits- und Lebensrealität eine andere ist. Also mehrheitlich Frauen, wie z.B. eine junge, alleinerziehende Apothekerin oder eine Pendlerin, die als Teilzeitkraft an der Supermarktkassa sitzt, erläutert Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen.
Die neuen Sozialpartnereinigungen tragen deutlich die Handschrift von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer, die seit Jahren Druck in Richtung Ausdehnung der Arbeitszeiten auf bis zu 60 Stunden wöchentlich und das über 24 Wochen, machen. Die Gewerkschaft begnügt sich mit symbolischen Zugeständnissen und verkauft diese Einigung als Errungenschaft für die ArbeitnehmerInnen. Die Schutzklauseln im Gesetz, wie zum Beispiel die arbeitsmedizinische Überprüfung der Unbedenklichkeit der Mehrarbeit blieben zahnlos, so Schatz.
"Die vermeintliche Wahlmöglichkeit für ArbeitnehmerInnen bedeutet in Wirklichkeit eine zusätzliche Belastung", warnt Schatz. Das Arbeitszeitpaket insgesamt erschwere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gehe auf Kosten der Gesundheit, Lebensqualität und Freizeit der Beschäftigten. Österreich ist jetzt schon Vize-Europameister mit durchschnittlich 42,1 geleisteten Stunden Wochenarbeitszeit.
"Außerdem schafft Arbeitszeitverlängerung keine neuen Jobs und löst daher das Problem der Arbeitslosigkeit nicht. Stammbelegschaften werden noch intensiver genutzt", kritisiert Schatz.
Das Gewerkschafts-Zuckerl Teilzeit-Zuschlag von 25% sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, bleibt allerdings völlig unzureichend und ein Tropfen auf den heißen Stein. Aufgrund des dreimonatigen Durchrechnungszeitraumes wird diese Regelung kaum zur Anwendung kommen. Die ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen wird deshalb heute im Nationalrat einen Abänderungsantrag einbringen. "Wäre das Anliegen, Teilzeitarbeit tatsächlich aufzuwerten, ernst gemeint, müsste es für Teilzeitkräfte den gleichen Zuschlag (50%) geben wie für Vollzeitkräfte, sowie eine Kürzung des Durchrechnungszeitraumes auf einen Monat, also keine halben Sachen". Betroffen sind hier wieder die Frauen, denn Teilzeitjobs sind zu mehr als 80 Prozent von Frauen besetzt, so Schatz.

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