"Kleine Zeitung" Kommentar: "Korruption, Heuchelei und auch Salzburg ist dabei" (Von Günter Sagmeister)

Ausgabe vom 02.07.2007

Graz (OTS) - Eine bessere Stadt als Guatemala City hätte sich das Internationale Olympische Comitee für die 119. Vollversammlung nicht aussuchen können: Extreme Gewaltkriminalität, Entführungen zwecks Gelderpressung sind alltäglich und die Polizei ist korrupt.

Ein herrliches Biotop im Schacher um die Olympischen Winterspiele 2014 und eines vorweg: Ob Salzburg, Sotschi oder Pyeongchang am 4. Juli den Zuschlag erhalten, wird bis zur letzten Sekunde offen sein. So war das auch bei der letzten IOC-Vollversammlung in Singapur, als Paris trotz Bestnoten im Kampf um die Sommerspiele 2012 an London scheiterte. Toni Blair war angereist und er hatte edle, handgeschriebene Einladungen an IOC-Mitglieder verteilt. Text: Der Premier wäre hocherfreut, wenn sie oder er zum Dinner in seine Luxussuite kommen würde. Das macht Eindruck. IOC-Mitglied Alpha Ibrahim Diallo aus Guinea wird vermutlich egal gewesen sein, ob die Spiele in London oder Paris stattfinden.

103 IOC-Mitglieder sind in Guatemala stimmberechtigt und es wird so lange gewählt, bis ein Kandidat die absolute Mehrheit hat. Jetzt kann man davon ausgehen, dass für Herrn Youssoupha aus Uganda Winterspiele nicht unbedingt den höchsten Stellenwert haben. Ebenso wenig für Herrn Mitchell von den Fidschi-Insel und so lässt sich vermuten, dass Mitglieder aus schneearmen Regionen häufig in der Hotellobby zu finden sein werden.

Wladimir Putin, ein prominenter Schifahrer, wird ebenfalls nach Guatemala reisen und die Vorzüge von Sotschi preisen. Eine graue Stadt an der Schwarzmeerküste mit mehrstöckiger Bebauung sowjetischen Stils. Dass 84 Prozent der Olympiabauten in einem Naturpark geplant sind - wen schert es? Die Wettkampfstätten gibt es bislang auch nur als Simulation. Und ein Schelm, wer glaubt, dass Gaszprom schon bald einer der großen IOC-Sponsoren sein könnte.

Für das südkoreanische Pyeongchang (nicht zu verwechseln mit dem für westliche Ohren bekannteren Pjongjang) rückt Präsident Roh Moo-Hyun aus und er spielt mit Rückendeckung von Samsung oder Kia im Gegensatz zur Mozartstadt auf der weltpolitischen Geige. Olympische Spiele würden Süd- und Nordkorea einen, weshalb in den Bewerbungsunterlagen Wörter wie Friede oder Harmonie regelmäßig auftauchen. Die Heuchelei geht so weit, dass für den Fall des Zuschlags das Olympische Feuer die Atombombe ersetzen würde und die Welt quasi durchatmen könne.

Österreichs 60-köpfige Delegation führt übrigens Bundeskanzler Alfred Gusenbauer an. ****

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