- 28.06.2007, 18:24:02
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Andreas Unterbergers Tagebuch
Das kranke Spital
Wien (OTS) - Das kranke Spital
Es ist beklemmend, wenn die Geschäftemacherei mit der Angst vor
Krankheit und Tod zu weit geht. Wie etwa in der aktuellen
Krebs-Affäre rund um die Illustrierte "News" (deren Niveau schon tief
unter das der "Ganzen Woche" gesunken ist).
Noch wichtiger ist die dabei wieder sichtbar gewordene
Mehrfach-Krise des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) und der
Medizin-Uni (MUW). Diese Krise hat viele Aspekte: die katastrophal
verfilzten Machtgrenzen erstens zwischen Bund und Stadt und zweitens
zwischen AKH und MUW; die qualitätssenkenden Hausberufungen der MUW;
die Polarisierung zwischen den international denkenden Professoren
und den am hauseigenen Klüngel orientierten; die Entmachtung des
Uni-Rates durch den wie ein Betriebsrat agierenden Senat; und vor
allem: die Dunkelgrauzone der intensiven privaten Geschäftemacherei
vieler prominenter Mediziner, die eigentlich dem wichtigsten Spital
Österreichs vollberuflich dienen sollten. Solange nicht eine absolute
Pflicht für die Damen und Herren Professoren besteht, jeden Euro
ihrer Umsätze mit dem Spital zu teilen und an das Spital zu binden,
bleibt das Problem ungelöst.
Zwei Umstände verhindern aber eine Lösung: Erstens ist angesichts
der chaotischen Machtstrukturen und der Führungsschwäche der Politik
jener Gewaltakt nicht denkbar, der die Institution der privaten
Verfügungsgewalt einiger Professoren entreißen würde. Und zweitens:
Wer legt sich schon mit den allerobersten Ärzten an, wo doch jeder
mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen muss, einmal hilflos vor
einem von ihnen im Spitalsbett oder auf dem Operationstisch zu
liegen?
*
Wer kennt sie nicht, die bewegenden Fotos des putzigen Eisbären,
der auf einer kleinen, ob des Klimawandels rasch schmelzenden
Eisinsel rettungslos dem Untergang entgegentreibt? Die Fotos öffnen
erfolgreich Geldbörsen und Steuersäckel zugunsten der tapfer für die
Bären kämpfenden NGOs.
Angesichts so wirksamer Emotionen haben trockene Fakten keine
Chance mehr (schon gar nicht am medialen Boulevard): etwa die
Tatsache, dass sich die Zahl der Eisbären in den letzten Jahrzehnten
vervielfacht hat; oder dass die Tiere bis zu hundert Kilometer weit
schwimmen können . . .
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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