Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar "Das traurige Spiel mit der Urangst" (von Ralf Mosser)

Ausgabe, 28. Juni 2007

Klagenfurt (OTS) - Die zweisprachigen Ortstafeln sorgen in Kärnten wieder einmal für hitzige Diskussionen. Rational kann man zu dem Thema nur zwei Zugänge haben. Erstens den rechtlichen, dann müsste der Artikel 7 des Staatsvertrages eingehalten werden. Zweitens den des Minderheitenschutzes, dann sollten der Minderheit über die vertraglichen Vereinbarungen hinaus noch weitere Zugeständnisse gemacht werden, um sie zu fördern und ihren Fortbestand zu sichern.

Aber leider regierte und regiert in Kärnten in dieser Causa nie die Vernunft, sondern meistens die Emotion. Dabei wird immer die Urangst beschworen. Die hat aber inzwischen eher die Politik als die Bevölkerung.

Jörg Haider hat Ur-Angst, dass er sein wichtigstes Wahlkampf- und Ablenkungsthema verlieren könnte. Die ÖVP in Wien hat Ur-Angst, dass Bundeskanzler Alfred Gusenbauer das Problem lösen könnte. Die Kärntner ÖVP hat Ur-Angst, dass ihr nationaler Flügel um Robert Lutschounig wirbelt. Die Kärntner SPÖ hat Ur-Angst, dass Haider Wählerstimmen von ihrem rechten Rand gewinnt. Einige Bürgermeister in den betroffenen Gemeinden haben Ur-Angst, dass sie bei den nächsten Wahlen nicht mehr gewählt werden. Die Funktionäre im Kärntner Abwehrkämpferbund haben Ur-Angst, dass ihr Verein bei einer Lösung der Ortstafelfrage die Legitimation verliert. Das sind die Urängste, die eine Lösung verhindern - ein Trauerspiel.

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