Andreas Unterbergers Tagebuch

Ausgeflogen

Wien (OTS) - Ausgeflogen

Viele Freunde hat die Sicherheit des Landes - und damit das Land selber - in der Politik nicht. Das lässt sich an der Geschichte der Eurofighter gut ablesen. Erst wird das Quantum an Abfangjägern weit unter jenem Niveau festgelegt, das in fast allen vergleichbar großen und vergleichbar sicheren Ländern üblich ist. Ein Niveau übrigens, das auch der Rechnungshof als niedrig empfindet. Dann wird unter Verweis auf ein Hochwasser ein weiteres Viertel der geplanten Menge gestrichen (obwohl die Schäden durch jene Flut letztlich viel geringer waren als befürchtet). Und schließlich eliminiert der nächste Minister vom Rest noch ein Sechstel und wechselt bei den verbleibenden zu gebrauchten Fliegern zweiter Qualität.

Offenbar glauben alle Parteien, dass man sich in Österreich nur populär machen kann, wenn man ständig das Niveau der Landesverteidigung senkt. Ein Niveau, das aber schon weit unter dem liegt, was sich alle anderen Europäer an Sicherheits-Investitionen zumuten. Aber wir leben ja in einem Lande, wo die Vorgaben der Kronenzeitung mit den nationalen Interessen verwechselt werden. Und das ist wirksamer als die notorische Skepsis der Linken gegen Verteidigungsnotwendigkeiten.

Im Bundesheer mit seiner Überzahl an hohen Offizieren, die nach den wenigen relevanten Posten gieren, wird man für alles und jedes einen Gutachter finden, wenn man nur richtig sucht. Noch schlimmer aber ist, dass auch unter den übrigen Offizieren und vor allem in der Politik niemand aktiv wird, um der schlichten "Was-brauch-ma-des?"-Stimmung eine kontinuierliche und aufgefächerte Argumentation über Notwendigkeit, Sinn und Zweck der Landesverteidigung, auch jener in der Luft, entgegenzusetzen. Wobei es natürlich primär um die heutigen Gefahren (vom Terrorismus bis zur Organisierten Kriminalität) und nicht um ein Remake von Weltkriegs-Szenarien gehen sollte.

Die Bilanz des U-Ausschusses ist in ganz anderer Hinsicht aber auch positiv: Trotz der monatelangen aufdringlichen Selbstinszenierung seines Vorsitzenden und trotz einiger dubioser Geldflüsse zu Rapid oder zur Ehefrau eines Offiziers fand sich keinerlei Hinweis auf Korruption größeren Ausmaßes. Und das kann zweifellos als ein sehr erfreuliches Zeichen gesehen werden.

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