Wiener Gemeinderat (3)

Geriatriezentren in Leopoldstadt, Favoriten und Meidling

Wien (OTS) - GR Kurt Wagner (SPÖ) legte dem Wiener Gemeinderat
drei Geschäftsstücke vor, die sich mit der Schaffung von drei Geriatriezentren, in Leopoldstadt, Favoriten und Meidling, befassen. Der Gemeinderat diskutiert diese drei Geschäftsstücke in einer Debatte, die Abstimmung über die Akten erfolgt jedoch getrennt.

Die FPÖ stimme allen drei Geschäftsstücken zu, erklärte GR Mag. Gerald Ebinger (FPÖ) zu Beginn seines Debattenbeitrages. Er bezog sich danach auf ein Papier der Geriatriekommission aus dem Februar dieses Jahres, in dem die Probleme des Älterwerdens, die Situation der Wiener Pflegeheime und die Dezentralisierung richtig analysiert würden. Die von Wien angestrebten 10.000 Pflegeplätze werden, so Ebinger, wahrscheinlich zu wenig sein. Er plädierte für mehrere kleinere Einheiten in den Bezirken, den Ausbau der Tagesheimstätten und eine intensivere Förderung der Kurzzeitpflege. Für Angehörige sollte es ein Kompetenzzentrum geben, in dem unfassende Informationen zu erhalten seien. Er kritisierte die Trennung von Krankheit und Pflege in Österreich. Für alle sei Spitzenmedizin kostenlos zugänglich, nur bei der Hilfsbedürftigkeit im Alter ende die Solidarität. Er forderte u.a. eine Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe, die verfassungsmäßige Absicherung eines Pflegeanspruches sowie die Erhöhung des Pflegegeldes.

Man dürfe nicht vergessen "woher wir kommen, aber wir haben uns auf den Weg gemacht", umriss GR Dr. Sigrid Pilz (Grüne) die Pflegesituation in Wien. Auch die Grünen werden, so die Rednerin, allen drei Geschäftsstücken zustimmen, obwohl kleinere Einheiten besser gewesen wären. Man solle auch in eine gute Planung investieren, dies würde der Lebensqualität der künftigen BewohnerInnen zugute kommen. Auch eine zeitgemäße Organisation und eine Individualisierung des Alltags seien unbedingt erforderlich. Dazu müsste es entsprechende Schulungen für das Personal geben und auch neue Organisationsstrukturen geschaffen werden. Auch die Pensionistenheime sollten in die Pflegeaufgabe eingebunden werden. Der Patientenanwalt sollte vor allem die Position der Patienten wahrnehmen, statt nur Beschwerden entgegen zu nehmen. Auch die zu Pflegenden bräuchten eine gute Vertretung. Im Zusammenhang mit der Krebstherapie-Debatte im AKH forderte sie in einem Antrag, den Bericht über die AKH-interne Revision dem Gemeinderatsausschuss zur Verfügung zu stellen. Alter bedeute nicht nur Betreuungsbedarf, es gebe auch durchaus optimistische Perspektiven, betonte Pilz abschließend.

GR Ingrid Korosec (ÖVP) unterstrich die Schlussworte ihrer Vorrednerin. Auch die ÖVP werde den drei Akten ihre Zustimmung geben. Die SPÖ sei viele Jahre einen falschen Weg gegangen, die jetzigen Projekte seien unter dem Motto "zu spät aber doch" zu sehen. In einem Rückblick auf die politische Diskussion der Vergangenheit erinnerte sie die SPÖ daran, dass von ihr immer die früheren Zustände verteidigt wurden und VP-Forderungen abgelehnt wurden. "Viele Jahrzehnte haben alte Menschen in Wien den sozialen Tod in den Heimen vor dem eigenen erlitten". Die Zukunft liege in der mobilen Betreuung zuhause oder in kleinen Wohneinheiten. Auch die neuen Heime seien zu groß. Größere Wohneinheiten seien nur für Menschen der Pflegestufen Fünf, Sechs und Sieben akzeptabel. Diese Personengruppe mache aber nur ein Drittel aller zu Pflegenden aus. In einem Antrag forderte sie die Erstellung eines Wiener Geriatrieplanes. Derzeit gebe es keine Bedarfserhebungen, kein Finanzkonzept und die ambulante Pflege werde vernachlässigt. Sie verwies dabei auch auf das Vorarlberger Pflegemodell. (Forts.) js/pla

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