"trend": Kritik an Eurofighter-Gegengeschäften

Reinhard Moser, Mitglied der ministeriellen Bewertungsplattform für Gegengeschäfte, hält diie Offsets für "großzügig bewertet" und "überschätzt"

Wien (OTS) - Zu all den Unklarheiten rund um die Eurofighter-Gegengeschäfte kommt für Wirtschaftsminister Martin Bartenstein nun eine weitere hinzu: Ausgerechnet Reinhard Moser, WU-Professor und Mitglied der ministeriellen Plattform Gegengeschäfte zur Bewertung der Eurofighter-Offsets, relativiert im kommenden Dienstag erscheinenden "trend" deren wirtschaftliche Auswirkung. "Es gibt zwei markante Fehleinschätzungen", sagt der Gegengeschäftsexperte, zum einen sei der Beschäftigungseffekt lange nicht so groß, wie erwartet. Und zum anderen sei es naiv zu glauben, der Eurofighterbeschaffung würde sich durch die Gegengeschäfte quasi selbst finanzieren.
Außerdem hat die Plattform mit der finanziellen Bewertung mancher eingereichten Projekte so ihre Schwierigkeiten, gibt Moser im "trend"-Gespräch offen zu: "Besonders problematisch sind die Direktinvestitionen des Eurofighterherstellers in Österreich in der Höhe zu bewerten." Bei dem Berechnungsmodell für die Langzeitwirkung fehlten offenbar Erfahrungswerte: "Auf bewährte Methoden konnten wir nicht zurückgreifen." Das mache aber deswegen nichts, wird Moser vom "trend" zitiert, weil die 200 Prozent-Quote für die Gegengeschäfte ohnehin ein "irrsinnig gutes" Verhandlungsergebnis war: "Daher kann man schon ein wenig großzügig sein in der Bewertung.!
An der ursprünglichen Argumentation des Wirtschaftsministers, die Höhe der Kompensationsgeschäfte wären eins-zu-eins Gewinne der heimischen Wirtschaft, übt Moser jedenfalls deutliche Kritik: "Das war nicht sehr gescheit. Jeder, der ein bisschen nachdenkt, sieht, dass das so nicht funktioniert. Man hätte von Anfang an klar argumentieren sollen, dass das nur eine Minderung des Drucks des Kaufpreises ist, mehr nicht."
Im Büro des angesprochenen Martin Bartenstein reagiert man leicht verärgert: "Wenn ein Experte Vorbehalte hat, soll er das bei den Bewertungen tun, nicht hinterher." Inhaltlich sei derartige Kritik irrelevant: "Wir haben die Arbeitsplatzeffekte nie berechnet, und haben sie daher auch nicht überschätzt. Die Wirtschaftskammer geht aber von 2000 gesicherten oder geschaffenen Arbeitsplätzen pro Jahr aus. Und die Berechnung der schwer quantifizierbaren Bildungs- und Forschungsinvestitionen im Gegengeschäftsvolumen haben wir explizit den Experten überlassen. Sogar der Rechnungshof hätte in 103 von 104 überprüften Fällen dieselben, oder sogar höhere Summen angerechnet."

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