Neues Volksblatt: "Versöhnung" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 16. Juni 2007

Linz (OTS) - Das Vermächtnis, das Kurt Waldheim im Angesicht des nahenden Todes geschrieben hat, ist ein zu Herzen gehendes sowohl persönliches als auch zeitgeschichtliches Dokument. Persönlich insofern als es zeigt, wie sehr dieser Mann bis zum Schluss unter den Ereignissen und den Anschuldigungen gegen ihn gelitten hat. Wie sehr er sich aber später auch seiner - wie er selbst formuliert - "Fehler" in der Argumentation angesichts der Anschuldigungen bewusst war. Ein zeitgeschichtliches Dokument ist dieses Vermächtnis vor allem in jenen Passagen, wo Waldheim auf seine schwere Bürde als UNO-Generalsekretär Bezug nimmt und sagt, er hätte "den nachhaltigen Wandel hin zu einer gerechteren Welt gerne noch miterlebt". Und dann ist da noch die Bitte Waldheims, seine Kritiker mögen "ihre Motive noch einmal überdenken" und ihm wenn möglich "eine späte Versöhnung schenken". Ein 88-Jähriger an der Schwelle des Todes streckt hier seine Hand zur Versöhnung aus. Und niemand - sei es im Lande oder bis hin zu den USA - sollte diese Hand zurückweisen. Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein, heißt es in der Bibel. Wer ohne Fehler ist, verweigere die letzte Versöhnung.

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