"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Politik ist ratlos" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 16. Juni 2007

Innsbruck (OTS) - Jeder siebte Tiroler hat ein Alkoholproblem:
30.000 Menschen sind süchtig, weitere 60.000 gefährdet. Als wäre das nicht allein schon schlimm genug, werden die Konsumenten auch noch immer jünger. Davon zeugt nicht nur das berüchtigte Koma-Saufen: Laut Statistik trinken Jugendliche heute im Alter von elf bis 13 Jahren zum ersten Mal Alkohol.

Um nichts besser ist die Situation beim Drogenmissbrauch. Jeder dritte Klient in der Suchtberatung ist jünger als 16, zuletzt waren 250 von 430 Neuzugängen noch halbe Kinder. Der erste Griff zum Joint oder zur Extasy-Tablette erfolgt mit 13, 14 Jahren. Und: Mädchen befinden sich auf der Überholspur. Was früher noch als gut gemeintes, weil prophylaktisch einsetzbares Märchen verwendet wurde, die Story von der heroinsüchtigen Elfjährigen, ist heute Wirklichkeit. Traurige Wirklichkeit.

Die Politik steht beiden Entwicklungen rat- und tatenlos gegenüber. Zwar bemüht sich Elisabeth Zanon in Tirol redlich, im Zuge ihrer Aktion "Jugendschutzgemeinde" positive Stimmung für den Verzicht auf Alkohol zu machen. Das allein aber ist zu wenig.

Im Bereich der illegalen Suchtmittel hat Tirol vor Jahren eine Vorreiterrolle eingenommen. Das Drogenkonzept des Landes galt bundesweit als fortschrittlich und wurde - im Gegensatz zu vielen anderen Konzepten - konsequent umgesetzt. Heute sind die darin enthaltenen Maßnahmen hoffnungslos veraltet: Auf Entwicklungen wie jünger werdende Klientel und billigere, stärkere bzw. leichter verfügbare Substanzen geht es nicht ein.

Die Überarbeitung des Konzepts ist mehr als überfällig. Seit Jahren. Dabei können die Verantwortlichen die Liste gleich um eine Substanz erweitern, deren Missbrauch ebenfalls süchtig macht, die aber offiziell nirgends als Droge aufscheint: Alkohol. Das alles ist allgemein bekannt. Passiert ist bis jetzt nichts.

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