"KURIER"-Kommentar von Simon Kravagna: "Ein großer Österreicher"

Auch nach seinem Tod ist politische Kritik an Waldheim legitim.

Wien (OTS) - Zuerst das Selbstverständliche: Das Ableben von Kurt Waldheim ist zu betrauern und seinen Angehörigen - vor allem seiner Ehefrau und Kindern - zu kondolieren. Auf Grundregeln des Anstands hat jeder Mensch ein Anrecht. Und zwar unabhängig davon, ob er angeblich ein "großer Österreicher" (Vizekanzler Molterer) war oder doch nur ein ganz typischer.
Nur: Das lateinische Sprichwort "Über Tote soll man nur Gutes reden" kann bei einer politisch so umstrittenen Figur wie jener des früheren Bundespräsidenten nicht gelten. Waldheims problematischer Umgang mit seiner Vergangenheit muss thematisiert und kritisiert werden - wie auch die vielen falschen Vorwürfe gegen ihn.
Es ist daher schon erstaunlich, wenn Kardinal Schönborn in dem "überzeugten Christen" Waldheim vor allem das "Opfer eines politischen Spiels" sehen will - ohne dessen eigenen Beitrag ("Ich kann mich nicht erinnern") zu erwähnen. Oder wenn Ex-Nationalratspräsident Khol im Befehlston dazu auffordert, man solle "Waldheims Vermächtnis ehren und achten" . Wenn jeder kritische Satz über Waldheim einer "Anti-Waldheim-Hetze" (FPÖ-Chef Strache) gleich kommt, dann Gute Nacht Wahrheit, Würde und Diskussion.

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