"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nur die Afrikaner können Afrika nachhaltig retten" (Von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 09.06.2007

Graz (OTS) - Wie stets gab es auch einen Afrikatag beim
G-8-Gipfel. Das Resultat ist ein Hilfsversprechen in der Höhe von 50 Milliarden Dollar. Wie bisher immer, wird es wenig nützen. Die Gründe dafür sind wechselseitig und füllen Bibliotheken. Weder Bush noch Bono, weder Merkel noch Grönemeyer können daran viel ändern.

Praktisch ist es einmal so, dass es keinen schwarzafrikanischen Staat gibt, der in den letzten zwanzig Jahren durchgehend eine gute, wenig korrupte Regierung gehabt hätte. Aber das würde es schon brauchen damit die Milliarden der G-8 vor Ort wirken könnten. Wer afrikanische Politische Landkarten der letzten Jahrzehnte anschaut, findet stets die Flammenzeichen für Krieg und Bürgerkrieg. Dem Treiben der Bürgerkriegshäuptlinge wird zugeschaut, solange diese den Krieg finanzieren können. Sind es Blutdiamanten, gibt es hochmoralische Debatten, aber jahrelang wurde gekauft.

Entwicklung ist aber nicht unmöglich. Auch wir haben uns entwickelt. Das nennen wir industrielle Revolution oder Modernisierung, mit Pannen wie extremer Armut, Faschismus und Kommunismus. Nach uns schaffte es zuletzt eine ganze Anzahl asiatischer Staaten. Mit Pannen. Noch steht kein schwarzafrikanischer Staat auf dieser Liste.

Entwicklungshilfe ist gut, ohne Häme gesagt. Aber sie hat bisher in keiner Gesellschaft den ganz großen Schub gebracht, der für Entwicklung nötig ist. Es muss also mehr geschehen, als beim G-8 möglich war und als Popmusik zum Klingen bringen kann. Nennen wir es einfach die Kraft, die in einer Gesellschaft oft ziemlich plötzlich ausbricht und Entwicklung schafft. Die gemäßigte Explosion muss im Inneren einer Gesellschaft passieren. Natürlich müssen Regierung und Bürger darüber einer Meinung sein, sonst sind die Reibungsverluste zu groß. Auf Taiwan gab es Anfang der 50er-Jahre Hungersnöte. Die Insel hatte kein Öl, keine Rohstoffe. Dennoch gab es Entwicklung.

Ini ganz Afrika gibt es kein Taiwan. Trotzdem ist es gut und richtig, dass auch wir uns den Kopf über Afrika zerbrechen. Die Welt wird immer mehr eine Welt. Mit der Abwehr von Bootsflüchtlingen lassen sich die Probleme nicht lösen. Leider auch nicht mit ihrer Aufnahme. Die Probleme müssen von den Menschen vor Ort gelöst werden. Nur die Afrikaner können Afrika nachhaltig retten.

Vielleicht ist es die tiefe, uns erschreckende Ratlosigkeit angesichts der himmelschreienden Nöte dieses Kontinents, die unsere Afrika-Diskussionen so oft mit Zorn und Wut ausfüllen. ****

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