Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Gipfel und die Medien

Wien (OTS) - Der Gipfel und die Medien

Gestern konnte ich die Medien rühmen, weil sie bei der Besetzung des Operndirektors einen positiven Einfluss geübt haben. Heute aber ist wieder eine ihrer problematischen Rollen anzusprechen: Gäbe es sie in ihrer Gier nach bunten, dynamischen Bildern nicht, dann hätten rund um den Gipfel der G-8 keine Gewalttaten stattgefunden, hätten weder teure Sperrzäune errichtet werden müssen, noch wären hunderte Menschen verletzt worden oder gar in Lebensgefahr geraten. Die Demonstranten wären nämlich daheim geblieben. Ihr Ziel ist ja immer nur, Aufmerksamkeit zu erregen: mit oft sehr widersprüchlichen oder unausgegorenen Ideen, mit dem Ausdruck postpubertärer Frustrationen, oder auch nur mit kreativ-heiterer Selbstdarstellung junger Lebenslust.

Keine Frage: Das konkrete Ergebnis des G-8-Gipfels war -erwartungsgemäß - flau. Dennoch ist es immer gut, wenn man so oft wie möglich miteinander spricht. Eine Folge: Die (fast globale) Erwärmung zwischen Washington und Moskau.

Das, was sich außerhalb des Zauns abspielte, zeigte jedenfalls keinerlei Alternativen auf: Dort gab es zwar viele Action, aber keine konsistenten Konzepte. Europas Gewerkschafter und Bauern etwa fordern nackten Protektionismus gegen die Konkurrenz aus der Dritten Welt. Umgekehrt will diese dringend mehr Nahrungsmittel nach Europa und in die USA exportieren dürfen. Ähnliche Widersprüche, die nur durch oberflächliches Protest-Gedröhn zugedeckt wurden, zeigen sich auch beim Thema Afrika: Allen Analysen zufolge sind das größte Problem dieses Kontinents Korruption und die Unfähigkeit der Regierungen. Massive westliche Hilfe für bestimmte Länder würde daher korrupte Systeme stützen - ohne dass den dort lebenden Menschen geholfen wäre.

Man sollte aber auch einmal offen sagen: Der Zustand der Welt hat sich zuletzt trotz aller forcierter Panikmache verbessert. Heute hungern weniger Menschen als früher; die Kriegsgefahr war schon viel größer; fast ganz Asien baut mit Tempo kapitalistischen Wohlstand auf. Die Sorgenliste ist dennoch lang: Afrika, große Teile Lateinamerikas, Drogen, Massenmigration, Fundamentalismus. Eigentlich sollten die G8 jeden Monat drei Tage in Ruhe über all das diskutieren (können).

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